Osnabrücker Schuhhändler vor Verkauf Reno versucht neuen Anlauf im Online-Handel

Reno-Schuhe
               sollen ab 2016 unter einem neuen Unternehmenseigner verkauft werden. Foto: pa/obs/Sundance CommunicationReno-Schuhe sollen ab 2016 unter einem neuen Unternehmenseigner verkauft werden. Foto: pa/obs/Sundance Communication

Osnabrück. Die Osnabrücker Muttergesellschaft der Schuhkette Reno macht sich hübsch für Investoren. Die Schuhhandelsgruppe HR Group soll bis zum Jahresende verkauft werden. Sie hat kräftig in ihren zwischenzeitlich eingestellten Internet-Handel investiert. Seit einer Woche versucht Reno wieder, Konkurrenten wie Amazon und Zalando online Paroli zu bieten.

Also doch: Bereits im Juni hatte es erste Berichte über Verkaufsabsichten gegeben. Jetzt ist es offiziell. Die Eigner der HR Group – der ehemalige Metro-Manager Siegfried Kaske, die Familie Hamm und der Geschäftsführende Gesellschafter Matthias Händle – beauftragen das Bankhaus Rothschild mit der Suche nach einem Käufer. Kaske hält die Hälfte, die Familie Hamm 45 Prozent, Händle fünf Prozent.

Der Verkauf soll bereits bis zum Jahresende über die Bühne gehen. Nach den Berichten im Sommer haben sich einem Unternehmenssprecher zufolge rund 30 Kaufinteressenten gemeldet.

Shop seit einer Woche wieder online

Die HR Group soll mit Reno nach Vorstellungen von Geschäftsführer Händle unter einem neuen finanzstarken Eigner in die Offensive gehen. Dazu hat das Unternehmen, das sich für rund ein Jahr komplett aus dem Internet-Einzelhandel zurückgezogen hatte, „in Millionenhöhe“ in seine Online-Infrastrukur und die zugehörige Logistik investiert, wie der Unternehmenssprecher sagte: „Da wurden Hausaufgaben gemacht.“ Nun sei es möglich, in Echtzeit zu sehen, wo genau im Unternehmen sich ein bestimmtes Produkt befinde und wie es am schnellsten zum Kunden gelange. Seit einer Woche sei der überarbeitete Reno-Shop nun online.

250 Filialen geschlossen

Auch anderswo hat HR an ihrer schwächelnden Schuhhandelskette gearbeitet: 250 von 750 Filialen in Deutschland und Europa wurden in den vergangenen Jahren geschlossen – aber auch einige neue an günstiger gelegenen Standorten oder zu günstigeren Mietkonditionen eröffnet. Er glaube an die Branche, sagte HR-Chef Händle. „Wir werden auch in Zukunft nicht barfuß durch die Gegend laufen.“

Dennoch: Renos Umsatz in den Filialen sinkt. Interessanter dürfte für Investoren deshalb das wachsende „Systemgeschäft“ sein, wie die Gruppe ihre zweite Sparte nennt: 40 Prozent ihres Jahresumsatzes von 600 Millionen Euro macht HR mit dem Beliefern und Betreiben von Schuhabteilungen in Kaufhäusern und bei Handelsketten wie Real – Tendenz steigend. In der Sparte habe HR jüngst einen neuen Vertrag mit einem Jahresvolumen von 30 Millionen Euro abgeschlossen, sagte der Sprecher.

Interessenten erhalten Einblick in Geschäftsdaten

Nun soll die Investmentbank Rothschild mit Sitz in Zürich 90 mögliche HR-Käufer ansprechen. In einem solchen Investorenprozess erhalten Interessenten zunächst einen Teileinblick in Geschäftsdaten des Unternehmens und verpflichten sich, diese vertraulich zu behandeln. Je glaubwürdiger ihr Interesse im weiteren Verlauf ist, desto tieferen Einblick erhalten sie.

Für HR arbeiten rund 4500 Menschen in 20 Ländern, etwa 300 davon in der Osnabrücker Unternehmenszentrale und ebenso viele im Vertriebszentrum in der Südwestpfalz.

Miteigner Siegfried Kaske will raus

Hauptgründe für die Verkaufsentscheidung waren dem Sprecher zufolge die schon seit Jahren bestehende Absicht des Miteigners Siegfried Kaske, sich aus HR zurückzuziehen, sowie das zunehmend schwierige Marktumfeld, das nur mit einer klaren Wachstumsstrategie zu meistern sei.

„50 Prozent zu verkaufen ist entweder zu viel oder zu wenig. Deshalb hat sich auch die Familie Hamm entschieden, den Weg frei zu machen, damit die HR Group weiter wachsen kann“, sagte Firmenchef Händle. Zu HR hatten sich 2005 Reno und das als Großhändler groß gewordene Familienunternehmen Hamm zusammengeschlossen.

(Mit Reuters)

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