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IG Metall fühlt sich „betrogen“ Valmet schließt Produktion in Osnabrück bereits 2016

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Osnabrück. Vollkommen überraschend hat der Cabriodach-Hersteller Valmet Automotive am Mittwoch angekündigt, seine Produktion am Standort Osnabrück spätestens im März 2016 nach Polen zu verlagern. Beschäftigte und Gewerkschaft waren bislang davon ausgegangen, dass die Produktion bis 2017 in Osnabrück verbleibt. Wie es mit rund 150 Mitarbeitern weiter geht, ist unklar. Die IG Metall fühlt sich „belogen und betrogen“.

Das erklärte Stephan Soldanski, 2. Bevollmächtige der IG Metall Osnabrück, am Mittwoch. Zuvor hatte das Management auf einer Belegschaftsversammlung die vorgezogene Verlagerung angekündigt. „Die Belegschaft hat die Entscheidung des Managements in eine gewisse Schockstarre versetzt“, so Soldanski.

150 Jobs betroffen

Dass es um den Standort Osnabrück schlecht steht, war bereits seit einigen Monaten bekannt. Zuletzt waren nach Angaben der IG Metall noch etwa 150 Arbeiter in der Produktion tätig. Im Sommer einigten sich das Management des finnischen Unternehmens und die Gewerkschaft auf ein sogenanntes Restrukturierungsprogramm. Das sah eine Schließung der Produktion im Jahr 2017 und einen Interessenausgleich für betroffene Mitarbeiter vor. (Weiterlesen: Valmet: Management bestätigt Produktion bis 2017)

„Finnland bricht nun diese Vereinbarung und lässt uns somit im Stich“, erklärte Valmet-Betriebsratsvorsitzender Stefan Aubke laut einer Mitteilung der IG Metall. Es soll nun geprüft werden, ob Sozialplan und Interessenausgleich unter falschen Voraussetzungen geschlossen worden seien.

Valmet teilte am Mittwochnachmittag mit, die Restrukturierung werde beschleunigt. Das Unternehmen bestätigte, dass davon 150 Mitarbeiter betroffen seien. Nun soll erneut ein Interessenausgleich und ein Sozialplan erarbeitet werden. Warum der plötzliche Schritt? „Aufgrund der aktuell nicht beeinflussbaren Marktsituation ist es notwendig, weitere kurzfristige Maßnahmen einzuleiten, die so erst im Jahre 2017 geplant waren“, wird der zuständige Valmet-Geschäftsführer Bernhard Thünemann in einer Mitteilung zitiert. Auch Harald Brunini, Präsident des finnischen Unternehmens, begründete den Schritt mit einer geänderten Marktsituation. Er bedauere das vorzeitige Aus der Produktion in Osnabrück und die damit verbundenen Konsequenzen außerordentlich. „Diese sind jedoch aufgrund der veränderten Marktsituation zur Sicherung des Unternehmens und damit des Technologiestandorts Osnabrück unvermeidbar“, so Brunini.

Entwicklungszentrum in Osnabrück?

In Osnabrück sind etwa 100 Menschen in der Entwicklung beschäftigt. Dieser Zweig soll erhalten werden und eine Art Technologiezentrum entstehen. Die IG Metall zieht diese Zusage aber angesichts der plötzlichen Produktionsverlagerung in Zweifel.

Das finnische Unternehmen hatte die Cabriodachproduktion Ende 2010 vom insolventen Osnabrücker Traditionsunternehmen Karmann übernommen.

Mehr zum Cabriodach-Spezialisten unter www.noz.de/valmet . Einen ausführlichen Hintergrund zur Cabrio-Branche und den Osnabrücker Problemen lesen Sie auf noz.de.


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