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08.09.2015, 18:17 Uhr MÜLL, BODENBELASTUNG, WASSERVERBRAUCH

Deutschland und die Nachhaltigkeit: Schöner Schein

Kommentar von Christian Schaudwet

Müllberg: Deutschland produziert mehr Abfall als der Durchschnitt der OECD-Länder. Foto: dpaMüllberg: Deutschland produziert mehr Abfall als der Durchschnitt der OECD-Länder. Foto: dpa

Osnabrück. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass Deutschland in zentralen Disziplinen eher Nachhaltigkeitssünder ist als Nachhaltigkeitsvorreiter. Ist Nachhaltigkeit nur dann genehm, wenn sie auch für Wachstum sorgt?

Es geht um Ökologie, Ökonomie und soziale Balance – die Nachhaltigkeitsziele, die Ende September auf einem UN-Gipfel verabschiedet werden sollen, sind ambitioniert. Und anders als die vor 15 Jahren gesetzten Millenniumsziele, die eine Halbierung von Armut und Hunger auf der Welt vorsahen, nehmen sie die Industriestaaten stärker in die Pflicht: Reiche Länder wie Deutschland sollen ihre Wirtschaftsstrukturen so umbauen, dass kommende Generationen weltweit nicht schlechter leben müssen als heutige.

Man könnte meinen, das grüne Musterland Deutschland könne nun auf Energiewende und Mülltrennung verweisen und anderen Nationen Ratschläge erteilen.

Weit gefehlt – das zeigt die neue Studie der Bertelsmann-Stiftung. Ob bei der Müllvermeidung, beim Grundwasserschutz oder bei der Entlastung der Böden in der Landwirtschaft: Typischerweise dort, wo ökologische Nachhaltigkeitsziele klassischem Wirtschaftswachstum im Wege stehen, werden diese beiseite geräumt. Dazu passt, dass Deutschland in wachstumsfreundlichen Nachhaltigkeitsdisziplinen – etwa bei Forschung und Entwicklung – gut aussieht. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist ebenfalls gut, aber auch er ist zunächst eine ökonomische Wachstumsstory.

Nachhaltigkeit bedeutet aber unter anderem: weniger und besser statt mehr.


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