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25 Kündigungsschutzklagen KME Osnabrück: Keine Einigung vor dem Arbeitsgericht

Der Stellenabbau beim Osnabrücker Kupferverarbeiter KME landet vor Gericht: Insgesamt 25 Mitarbeiter klagen gegen ihre Entlassung. Foto: Michael GründelDer Stellenabbau beim Osnabrücker Kupferverarbeiter KME landet vor Gericht: Insgesamt 25 Mitarbeiter klagen gegen ihre Entlassung. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Stellenabbau beim Osnabrücker Kupferverarbeiter KME landet vor Gericht: 25 Mitarbeiter klagen gegen ihre Entlassung. Die ersten Gütetermine am Freitag brachten keine Einigung.

Es geht um die Kündigungsschutzklagen von 25 KME-Mitarbeitern, die sich gegen ihre Entlassung zur Wehr setzen. Im Rahmen des Abbaus von 340 Arbeitsplätzen hatte das Osnabrücker Traditionsunternehmen Mitte Juli 35 Mitarbeitern die betriebsbedingte Kündigung ausgesprochen. Die ersten 22 Fälle wurden am Freitag vor dem Arbeitsgericht verhandelt. In weiteren Sitzungen geht es am Mittwoch um drei weitere Mitarbeiter.

In diesen Güteterminen versuchte Arbeitsrichter Joachim Wenzeck, mit beiden Seiten eine einvernehmliche Lösung zu finden. Vergebens. Die Betroffenen kämpfen um ihre Arbeitsplätze, die KME-Geschäftsführung will am Sozialplan nicht rütteln. Das Arbeitsgericht will im November und Dezember in der Sache verhandeln und entscheiden.

Mitarbeiter sollten in Transfergesellschaft wechseln

Hintergrund der Klagen ist der Personalabbau beim Kupferverarbeiter KME. Das Traditionsunternehmen hatte im Mai angekündigt, wegen anhaltender wirtschaftlicher Schwierigkeiten noch im Sommer 340 Stellen zu streichen. Als feststand, wer betroffen sein wird, stellte das Unternehmen seine Mitarbeiter vor die Wahl: Innerhalb von drei Wochen Bedenkzeit mussten sie sich entscheiden, ob sie das Angebot einer Transfergesellschaft annehmen. Andernfalls drohte ihnen die Kündigung.

15 haben neue Arbeitsplätze

220 Mitarbeiter entschieden sich schließlich für die Übergangslösung, die Mitte Juli startete. Nach den ersten fünf Wochen hätten bereits 15 der früheren KME-Mitarbeiter einen neuen Arbeitsplatz gefunden, sagt Personalchef Dietmar Haas unserer Redaktion. Angesichts der üblichen Bewerbungsfristen wertet er diese Zahl als ersten Erfolg. „Wenn ein paar Monate vergangen sind, werden wir noch deutlich bessere Zahlen vorweisen können“, sagt er.

Das Angebot, mit dem Umzug der Kupferrohrfertigung aus Osnabrück an den KME-Standort in Menden im Sauerland zu wechseln, nahmen zwölf Mitarbeiter an. Weitere Arbeitsplätze wurden abgebaut, indem Stellen ausgeschiedener Mitarbeiter nicht neu besetzt worden sind, hieß es. Bis zum Jahresende soll der Standort Osnabrück noch 1650 Mitarbeiter beschäftigten, Auszubildende mit eingerechnet.

Einer, der den Umzug seiner Abteilung nach Menden nicht mitmachen wollte, gehört zu den Klagenden: Ein 57-jähriger Maschinenführer, der seit 42 Jahren bei KME beschäftigt ist. „Mein Mandat will um seinen Arbeitsplatz kämpfen“, sagte Anwalt Jürgen Kühlers am Freitag vor Gericht. In seinem Alter und mit seiner speziellen Qualifikation sehe er für sich „wenig bis gar keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, so der Anwalt. Auch ein gleitender Übergang in die Rente sei nicht möglich: „Er fällt in ein Loch.“ Der von Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern ausgehandelte Sozialplan sieht für den 57-Jährigen eine Abfindung von 60000 Euro vor. Als Faustregel bei Abfindungen gilt: ein halber Bruttomonatslohn pro Beschäftigungsjahr. Im Fall KME wurde ein Drittel des Monatslohns vereinbart.

Leichte Erholung der wirtschaftlichen Lage

Generell verzeichne KME aktuell eine leichte Erholung. Messing-Walzprodukte, wie sie in der Automobilindustrie zum Einsatz kommen, würden gut laufen, heißt es auf Nachfrage. Die Nachfrage nach Kupfer- und Bronze-Walzprodukten liege auf dem saisonüblichen Niveau der Branche. Der aktuelle Preisverfall bei Kupfer von 15 bis 20 Prozent in den vergangenen drei Monaten komme KME unterdessen durchaus entgegen: Der Ersatz von Kupferrohren durch Kunststoff-Elemente in der Bauindustrie werde so zumindest gebremst. Für eine preisliche Gleichstellung müsste der Kupferpreis sich hingegen halbieren.

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