Währungspolitik China wertet Yuan erneut ab

Die Industrieproduktion blieb zuletzt hinter den Erwartungen zurück. Das Bild zeigt Arbeiter in einem chinesischen Airbus-Werk. Foto: ReutersDie Industrieproduktion blieb zuletzt hinter den Erwartungen zurück. Das Bild zeigt Arbeiter in einem chinesischen Airbus-Werk. Foto: Reuters

dpa/Reuters Peking. Chinas Zentralbank hat den Yuan (Renminbi) noch weiter auf Talfahrt geschickt. Die Notenbanker werteten die Landeswährung am Mittwoch erneut deutlich ab. Die deutsche Wirtschaft warnt vor einem Währungskrieg.

Chinas Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 6,3306 Yuan je US-Dollar fest – ein Abschlag von weiteren 1,6 Prozent im Vergleich zum Vortag. Bereits am Dienstag hatte die Bank den Referenzkurs um 1,9 Prozent gesenkt und damit den Yuan im Verhältnis zum Dollar auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren geschickt.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) sprach von einem „willkommenen Schritt“, weil der Markt eine größere Bedeutung bei der Bestimmung des Wechselkurses erhalte. Aus Sorge, die Abwertung könnte ein Zeichen für eine sich zuspitzende Krise der chinesischen Wirtschaft sei, reagierten die internationalen Aktienmärkte jedoch verschreckt: Bis zum Nachmittag sackte der deutsche Leitindex Dax um mehr als 2,3 Prozent ab.

Deutsche Wirtschaft warnt

Die deutsche Wirtschaft warnte vor einem Währungskrieg. „Wichtig ist vor allem, dass es jetzt nicht zu einem globalen Wettlauf um die schwächste Währung kommt, bei dem am Ende alle verlieren“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, am Mittwoch. Deutsche Waren verkauften sich gerade in wichtigen Technologiebereichen vor allem über Qualität und Technologieführerschaft. „Aber natürlich spielt auch der Preis immer eine Rolle - und hier erhalten chinesische Konkurrenten durch die Abwertung nun einen Vorteil“, sagte Wansleben. Allerdings profitierten zugleich viele Importeure vom schwächeren Yuan, da Zulieferungen aus China dadurch günstiger werden.

Exporte sollen stabilisiert werden

Nach Ansicht von Experten geht es Peking bei dem Schritt nicht nur darum, eine marktorientierte Währung zu schaffen. „Der IWF und die EU denken, dass China eine frei handelbare Währung schaffen will. Aber das ist nur ein Aspekt“, sagte Zheng Chaoyu, Professor an der Pekinger Renmin University: „Die Zentralbank hat die Kontrolle niemals wirklich aus der Hand gegeben.“ Zheng zufolge geht es bei der Abwertung in erster Linie darum, die Exporte und die Wirtschaft des Landes zu stabilisieren.

In China mehren sich die Anzeichen einer Konjunkturflaute. Nach einer Reihe von schwächer als erwartet ausgefallenen Wirtschaftsdaten fiel auch die Industrieproduktion enttäuschend aus. Im Juli sei das Produktionswachstum im Jahresvergleich auf 6,0 Prozent gefallen von 6,8 Prozent im Vormonat, teilte das nationale Statistikamt am Mittwoch mit. Volkswirte hatten zwar ein schwächeres Produktionswachstum erwartet, waren aber immer noch von einem Zuwachs um 6,6 Prozent zum Vorjahr ausgegangen.

Kurs stieg mit dem Dollar

In den vergangenen zwölf Monaten hatte der Yuan fast im Gleichschritt mit dem starken US-Dollar im Vergleich zu vielen internationalen Währungen kräftig an Wert gewonnen. Zum Euro war der Yuan innerhalb eines Jahres um knapp 20 Prozent gestiegen – ein riesiges Problem für die Exporteure des Landes. Chinesische Ausfuhren waren im Juli um 8,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat eingebrochen.

Und auch am Mittwoch wurden erneut schwache Konjunkturzahlen verkündet. Im Juli fiel das Produktionswachstum im Jahresvergleich auf 6,0 Prozent von 6,8 Prozent im Vormonat, wie das nationale Statistikamt mitteilte.

Vor dem Eingriff am Devisenmarkt hatte die Führung in China in den vergangenen Wochen bereits massiv an den Aktienmärkten interveniert, um einen Kursrutsch zu beenden, der Mitte Juli begonnen hatte. Die dicht aufeinanderfolgenden Maßnahmen seien Anzeichen „einer zunehmend nervösen Administration“, sagte Experte Frank Hübner von der Bank Sal. Oppenheim. Ein möglicher Grund für die nervöse Stimmung in der Führung in Peking: Entwickeln sich Chinas Konjunkturdaten weiterhin enttäuschend, könnte auch das von der Regierung für dieses Jahr festgelegte Wachstumsziel von sieben Prozent in Gefahr geraten.

Deutsche Auto-Titel geben nach

Im Dax ging es wegen der Abwertung weiter abwärts für die deutschen Autobauer. Daimler-Aktien verloren fast 4 Prozent und gehörten am Mittag zu den größten Verlierern im Dax. BMW-Papiere gaben um 3,5 Prozent nach, VW lag mit minus 2,5 Prozent im Mittelfeld des Index. Die Unternehmen zeigten sich hingegen weitgehend ungerührt und erwarten vorerst keine größeren Probleme für ihr Geschäft. Die Hersteller produzieren ihre Autos für den chinesischen Markt überwiegend am Ort und decken ihre Kosten in Yuan.