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07.08.2015, 11:13 Uhr KAUFHAUSKETTE MIT MEHR VERLUST

Prognose für Karstadt: Heilung unwahrscheinlich

Kommentar von Christian Schaudwet

Quo vadis, Karstadt? Die Kaufhauskette ist noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Foto: dpaQuo vadis, Karstadt? Die Kaufhauskette ist noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Foto: dpa

Osnabrück. Neuer Rückschlag für Karstadt-Eigner René Benko und Tausende Angestellte: Die Warenhauskette ist noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Im Mai hatte der österreichische Investor den Bieterwettbewerb um den Konkurrenten Galeria Kaufhof verloren, den er mit Karstadt verschmelzen wollte. Karstadts Zukunftsaussichten verdüstern sich immer mehr.

Daraus hätte etwas werden können: Unter einem Dach hätten Karstadt und Kaufhof wohl eine Chance gehabt, der Konkurrenz mit niedrigeren Verwaltungskosten und wachsender Einkaufsmacht Paroli zu bieten – jener Konkurrenz, die so viele Konsumenten inzwischen auf dem Smartphone in der Tasche tragen: Der Online-Handel setzt klassischen Kaufhäusern zu wie kaum einem anderen Segment des stationären Einzelhandels.

Aber dann gab Kaufhof-Eigner Metro der kanadischen Handelsgruppe Hudson’s Bay den Zuschlag. Galeria Kaufhof dürfte bei den Kanadiern durchaus eine Zukunft haben. Aber Karstadt? Benko hatte sehr wahrscheinlich schon auf Kaufhof spekuliert, als er Karstadt vor einem Jahr erwarb. Anders hätte die Übernahme der angeschlagenen Kette kaum Sinn ergeben. Benko machte viele Zugeständnisse, um sich als Käufer zu empfehlen, erklärte sich zu Standort- und Jobgarantien für beide Ketten bereit. Es half nichts.

Jetzt heißt es: weiter sparen, noch mehr Karstadt-Filialen schließen. Aber das ist mehr von der Medizin, die schon bisher nicht half. Prognose: Heilung unwahrscheinlich.


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