Fleischproduktion mit Rekordwert So viele Schweine geschlachtet wie noch nie

Ein Mastschwein in einem Stall. Foto: dpaEin Mastschwein in einem Stall. Foto: dpa

Osnabrück. Noch nie ist in Deutschland so viel Fleisch produziert worden wie im ersten Halbjahr 2015. Die Menge lag laut Statistischem Bundesamt bei 4,07 Millionen Tonnen. In Tieren bedeutet das: mehr als 352 Millionen Stück Geflügel und 29 Millionen Schweine starben in den Schlachthöfen – ein großer Teil davon in Niedersachsen.

Gerade die Schlachtung von Schweinen zwischen Januar und Juni war nach Angaben der Statistiker ursächlich für den neuen Rekord. Der Wert nahm im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent oder anders gesagt um 673.400 Tiere zu. Bei Rind- und Geflügelfleisch verzeichnete das Bundesamt weniger deutliche Anstiege.

Niedersachsen auf Platz zwei

Bei den Schweineschlachtungen liegen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen im Bundesvergleich mit weitem Abstand an der Spitze. In beiden Bundesländern wurden in den ersten sechs Monaten 9,9 beziehungsweise 9,4 Millionen Schweine geschlachtet. Auf Platz drei folgt Bayern mit 2,5 Millionen Schlachtungen. Etwa jedes dritte Schwein starb damit in den niedersächsischen Produktionsstätten wie Sögel im Emsland , Essen im Landkreis Cloppenburg oder Georgsmarienhütte im Landkreis Osnabrück.

Folgen des Russland-Embargos

Während so viel geschlachtet wird wie nie, sind gleichzeitig die Preise für Landwirte so schlecht wie lange nicht mehr. Nach Angaben des Bauernverbandes ist dafür das Russland-Embargo verantwortlich. Vor ziemlich genau einem Jahr verhängte die Regierung im Kreml einen weitgehenden Importstopp für Agrarprodukte aus Europa. Das Volumen der Exporte brach daraufhin laut Verband von 1,8 auf nunmehr 0,9 Milliarden Euro ein. Nicht nur der Absatzmarkt ist deutschen Produzenten damit versperrt. Die Fleisch- und Milchmengen drängen zurück auf den europäischen Markt und drücken hier zusätzlich den Preis. (Weiterlesen: Bauernverband fordert Überprüfung des Russland-Embargos)

Der Verband rechnete am Donnerstag vor: Für einen deutschen Mäster, der im Jahr 4000 Schweine verkaufe, bedeute das Russland-Embargo einen jährlichen Verlust von 32.000 Euro. Doch warum werden die Produktionsmengen dann nicht gedrosselt? „Für Außenstehende mag das widersprüchlich wirken“, sagt Matthias Quaing von der Interessensgemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands. Doch anders als in einer Fabrik könne die Produktion in der Landwirtschaft nicht so einfach gedrosselt werden: „Von der Besamung der Sau bis zum fertigen Mastschwein vergeht ein Jahr. Das ist ein relativ langer Produktionszyklus.“ Und andererseits würden die Margen in der Schweinehaltung immer geringer. „Da heißt es für die einzelnen Landwirte, die Haltung zu optimieren und so die Leistung und damit die Mengen zu steigern.“ (Weiterlesen: Ein Schweineleben: In 180 Tagen auf 120 Kilogramm)

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will der Preiskrise mit der Erschließung neuer Exportmärkte für deutsche Produkte begegnen. Zuletzt hatte er den Nahen Osten und speziell den Iran ins Gespräch gebracht. (Weiterlesen: Mehr Export soll deutschen Milchbauern helfen)

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