Schnapsbrenner versucht Imagewandel Berentzen: Saftpressen für Büros und Tankstellen

Von Christian Schaudwet

Frische Orangen verkauft der Getränkehersteller Berentzen gemeinsam mit den Fruchtpressen der Marke Citrocasa. Foto. imago/IndiapictureFrische Orangen verkauft der Getränkehersteller Berentzen gemeinsam mit den Fruchtpressen der Marke Citrocasa. Foto. imago/Indiapicture

Osnabrück/Haselünne. Berentzen will mit seinem neuen Fruchtsaftpressengeschäft bis in die Kaffeeküchen von Büros vordringen. Nach der Übernahme des österreichischen Pressenherstellers Technic Marketing Products (TMP) strebt die Getränkegruppe aus Haselünne den Abschied von ihrem traditionellen Schnapsbrenner-Image an.

Berentzen-Chef Frank Schübel hat in einem Gespräch mit der Zeitung „Die Welt“ jetzt beschrieben, wie er sich den Einsatz der Fruchtsaftpressen vorstellt, die der im Herbst 2014 übernommene Maschinebauer TMP in Linz herstellt. Demnach sollen die Geräte, mit denen Kunden eigenhändig frischen Orangensaft pressen und in Flaschen abfüllen können, nicht nur in den Obst- und Gemüseabteilungen von Supermärkten stehen, an Hotel-Buffets und hinter Gastronomie-Tresen: Schübel will auch eine Linie kleinerer Pressen auf den Markt bringen, die sich etwa für Tankstellen oder für Büros eignen.

Nicht nur Pressen, sondern auch Orangen

Das Potenzial des Fruchtsaftpressen-Geschäftsmodells sei „enorm“, sagte Schübel der Zeitung. „Zum einen, weil die Menschen immer gesundheitsbewusster werden. Und zum anderen, weil sich zum Beispiel Supermärkte mit genau solchen Services von den Discountern abheben können.“ Zudem seien Kunden bei frischem Saft bereit, tiefer ins Portemonnaie zu greifen.

Berentzen bietet mit der Fruchtsaftpressen-Marke Citrocasa nicht nur die Maschinen, sondern auch die Früchte an, die darin verarbeitet werden. Laut „Welt“ handelt es sich um die Orangenmarke „Frutas Naturalis“, um Früchte aus Spanien, Griechenland und Südafrika. Im Supermarkt presst der Kunde die Früchte mit der automatischen Presse selbst und füllt sie in Einweg-Flaschen, die von Berentzen geliefert werden.

Bisher wird das Citrocasa-System von TMP vor allem in Österreich und Deutschland vertrieben, in kleineren Stückzahlen in 18 weiteren Ländern. Schübel denkt an Expansion, peilt insbesondere die USA und Osteuropa an.

Hübscher werden für Investoren

Sein klassisches, aber zunehmend schwieriges Spirituosengeschäft soll Berentzen zwar nicht aufgeben, aber Schübel will das Geschäft mit gesunden alkoholfreien Getränken unter anderem durch weitere Übernahmen ausbauen. „Spirituosen und klassische Softdrinks haben im gesellschaftlichen Umfeld schnell negative Konnotation“, wird Schübel von der „Welt“ zitiert. „Von diesem Trend wollen wir uns emanzipieren.“ Dies auch mit Blick auf Investoren: „Ansonsten bekommt man irgendwann ein Akzeptanzproblem, sei es bei der Suche nach Mitarbeitern oder bei der Suche nach Investoren.“

Um für neue Investoren attraktiver zu werden, hat Berentzen kürzlich seine Aktienstruktur verändert. Einem Reuters-Bericht zufolge könnte der Berentzen-Großaktionär Aurelius sich bald zurückziehen.

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