Nordhorner Kaffeeröster Hotfilter Robusta kommt nur für den Espressoschaum mit in die Tüte


Nordhorn. Die Firma ist schon 86, ihre Chefin aber erst 32. Kathrin Hotfilter steht von einer Herausforderung: Der Kaffeeröster aus Nordhorn möchte mehr jüngere Käufer erreichen, ohne die eher gesetzte Stammkundschaft zu vergraulen.

Im Schnitt acht Euro kostet das Pfund Kaffee in den Hotfilter-Filialen in Nordhorn, Lingen, Emsdetten, Ibbenbüren, Osnabrück, Rheine und Leer. Kaffee ist zwar das liebste Getränk der Deutschen, aber einen solchen Preis akzeptiert längst nicht jeder. Coole Kaffee-Locations wie in den Szenevierteln Berlins, wo der Preis Nebensache ist, sind im westlichen Niedersachsen und im angrenzenden ländlichen Westfalen selten. Hier orientieren sich viele Verbraucher an den Kaffeepreisen der Discounter, bei denen das Pfund manchmal schon für weniger als vier Euro zu haben ist.

Hochwertige Arabica-Sorten

In dieser Klasse kann und will Kathrin Hotfilter nicht mitspielen. „Wir kaufen nur Arabica-Sorten“, sagt die Chefin von 19 fest angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie rund 38 Aushilfskräften, von denen im Sommer etwa zehn auch Eis verkaufen. Bei Arabica-Kaffee handelt es sich um hochwertige Hochlandsorten aus Ländern wie Costa Rica, Guatemala, Kolumbien oder Mexiko. Ein weiterer, noch wichtigerer Unterschied zur Billigkonkurrenz liegt nach Hotfilters Angaben in der Röstung. Die dauert in der 55 Jahre alten und noch immer sehr zuverlässig arbeitenden Maschine der Nordhorner Rösterei zwischen zwölf und 15 Minuten – und bei den größten Konkurrenten nur höchstens zwei Minuten, wie Thorsten Hammersen erklärt.

Mit Tchibo nicht vergleichbar

Der Geschäftsführer des Rohkaffee-Importeurs Efico aus Hamburg kennt den Kunden Hotfilter und schätzt dessen Qualitätsanspruch seit vielen Jahren. Der größte deutsche Kaffeeröster Tchibo müsste nach Hammersens Worten „vier bis fünf neue Fabriken bauen“, um bei gleichbleibendem Ausstoß eine Röstung wie bei Hotfilter hinzubekommen.

16,7 Tonnen Kaffee hat das mittelständische Nordhorner Unternehmen im vergangenen Jahr geröstet. Zum Vergleich: Der Gesamtverbrauch an Röstkaffee und Espresso in Deutschland lag 2014 bei 291000 Tonnen.

Ergebnis der Langzeit-Röstung sei ein deutlich säureärmerer und bekömmlicherer Kaffee, sagt Kathrin Hotfilter. Vermutlich ist es das, was die Stammkunden besonders schätzen. Ein wenig Robusta muss allerdings auch bei Hotfilter sein: In der Sorte „Espresso originale“, deren Mischung ihr 2014 im Alter von nur 57 Jahren verstorbener Vater Gerd kreiert hat, sorgt der gegenüber Krankheiten und Klimaeinflüssen unempfindliche Flachland-Kaffee für die von Kennern geschätzte Crema (das ist der Schaum an der Espresso-Oberfläche).

1,6 Millionen Euro hat Hotfilter 2014 umgesetzt, davon allerdings nur 350000 Euro mit Kaffee. Der Rest und damit der weit größere Anteil des Erlöses entfiel auf „hochwertige Süßwaren“ (Kathrin Hotfilter), mit denen das Unternehmen handelt.

Hoher Frauenanteil

In den Filialen arbeiten durchweg Frauen. Viele von ihnen sind schon lange im Unternehmen beschäftigt. Helga Nibbrig in Nordhorn zum Beispiel feiert bald ihr 45-jähriges Betriebsjubiläum. Stärke ihres Personals sei es, Kunden individuell zu beraten und zu bedienen, sagt die Firmenchefin. Dazu gehöre auch die Herstellung von besonderen Geschenkverpackungen.

Lieber mit solchen Produkten will Kathrin Hotfilter jüngere Kunden gewinnen, statt Filialen auf „Coolness“ zu trimmen, was Stammkunden irritieren könnte. Ausbaufähig ist nach ihrer Ansicht der Versandabsatz, der durch einen neuen Internetauftritt mit Onlineshop angekurbelt werden soll. Besonders wichtig ist der Firmenchefin eine baldige Verbesserung der Situation in Osnabrück, wo die Hotfilter-Filiale als Folge der benachbarten Neumarkt-Baustelle ein Umsatzminus von 20 Prozent verkraften musste.

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Sieben Filialen betreibt der Nordhorner Kaffeeröster Hotfilter zwischen seinem Stammsitz und Osnabrück sowie Leer und Emsdetten.

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