Nazis gefiel seine Gesinnung Henry Ford und der Antisemitismus

Von Gerd Placke


Osnabrück. Bei allen Verdiensten, die sich Henry Ford um die Industrialisierung der Welt und die Mobilität der Massen erworben hat, gibt es doch dunkle Kapitel im Leben des Patriarchen.

Unter seinem Namen und in seiner Zeitung, dem „Detroit Independent“, erscheinen in den 1920er-Jahren mehrere antisemitische Artikel. Sie und die unter seinem Namen veröffentlichten Bücher (zum Beispiel: „Der internationale Jude – Ein Weltproblem“/1922) lassen Ford in einem wenig glitzernden Licht erscheinen. Der Patriarch wird vom aufstrebenden Adolf Hitler und seinen Genossen in den Anfangsjahren ihres menschenverachtenden Nationalsozialismus sogar zur Ikone erhoben. Hinter Hitlers Schreibtisch soll über Jahre ein Porträt Fords gehangen haben, der spätere NS-Funktionär Heinrich Himmler beschreibt Ford 1924 schon als einen „der wertvollsten, gewichtigsten und geistreichsten Vorkämpfer“ des Antisemitismus.

Hitlers Verehrung geht so weit, dass Henry Ford als Erster den höchsten Nazi-Orden für einen Ausländer erhält: Zu seinem 75. Geburtstag am 30. Juli 1938 heftet ihm der deutsche Botschafter in den USA in Detroit das Großkreuz des Deutschen Adlerordens an die Brust.

Und der Ford-Konzern profitiert von der Aufrüstung und dem Zweiten Weltkrieg auf beiden Seiten: In den USA entstehen in den Werken Lkw, Bomber und Flugmotoren, bei Ford Deutschland Zigtausende Lastwagen für die Wehrmacht. Wie in vielen Industriebetrieben arbeiten auch in Köln Tausende von Zwangsarbeitern. Im Lager Buchenwald gab es nach Forschungen von Historikern ein eigenes Kommando Ford, das Arbeitskräfte nach Köln schickte.