Kritik vor Bauerntag in Erfurt Foodwatch: Tierwohl-Initiative nur Ablenkungsmanöver

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Wie gut geht’s dem Schwein? Bauern verteidigen die Tierhaltung in Deutschland. Foto: dpaWie gut geht’s dem Schwein? Bauern verteidigen die Tierhaltung in Deutschland. Foto: dpa

Osnabrück. Die anhaltende Kritik an der Arbeit der Landwirte in Deutschland wird beim Bauerntag in Erfurt ab diesem Mittwoch im Mittelpunkt stehen. 600 Berufsvertreter diskutieren unter dem Motto „Veränderung gestalten“, wie sie in die Offensive gehen können. Derweil fordert die Verbraucherorganisation Foodwatch die Bundesregierung auf, in Sachen Tierhaltung Fakten zu schaffen.

Bauernpräsident Joachim Rukwied hatte sich im Vorfeld des Bauerntages auch im Interview mit unserer Redaktion über unsachgemäße Kritik beschwert. Tatsächlich hätten Landwirte in Deutschland Fortschritte erzielt, die aber „zunehmend infrage gestellt und wegdiskutiert“ würden. Er verwies dabei unter anderem auf die „Initiative Tierwohl “, bei der Bauern Ausgleichszahlungen für höhere Haltungsstandards bekommen sollen.

Foodwatch: Ablenkungsmanöver des Bauernpräsidenten

Die Verbraucherorganisation Foodwatch überzeugt das aber nicht. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte der stellvertretende Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt: „Die freiwillige Tierwohlinitiative ist ein typisches Ablenkungsmanöver von Bauernpräsident Rukwied.“ Der Kunde im Supermarkt müsse sich darauf verlassen können, dass Nutztiere gut gehalten werden und gesund sind. „Diese Gewissheit hat er derzeit nicht – egal bei welchem Haltungsverfahren“, bemängelte Wolfschmidt.

Er appellierte daher an die Bundesregierung, gesetzliche Mindeststandards in der Tierhaltung einzuführen. In Sachen Stall-Ausstattung und Tiergesundheit müssten Parameter definiert und systematisch kontrolliert werden. „Die Zielvorgabe muss sein: Alle Nutztiere werden tiergerecht gehalten“, forderte Wolfschmidt.

Tiere sollen nicht unter Preiskampf leiden

Dabei soll nach Vorstellung von Foodwatch nicht nur die Platzfrage im Stall gesetzlich geregelt werden. Auch die Tiergesundheit sollte systematisch erfasst werden. „Nur so kann sichergestellt werden, dass Tiere nachweislich tierschutzgerecht gehalten werden.“ Krankheiten und Verletzungen wie etwa Euterentzündungen bei Milchkühen könnten Rückschlüsse auf Mängel bei der Tierbetreuung zulassen. „Es muss sichergestellt sein, dass die Tiere nicht die Last des Preiskampfes auf dem Lebensmittelmarkt tragen.“

Zudem müsse Berlin auf eine europaweite Übernahme der Standards drängen. So könnte der Import billigerer Produkte aus dem Ausland verhindert werden. Zu den Kosten sagte Wolfschmidt: „Die Lebensmittel werden sicherlich nicht billiger werden. Aber wenn die Gesellschaft die gesetzlich verbürgten Tierrechte ernst nimmt, muss sie sich dies auch etwas kosten lassen.“

Bauern fordern ehrlichen Dialog

Angesichts der Dauer-Kritik sehen sich die Landwirte hingegen in ihrer Existenz bedroht. „Wir fordern einen ehrlichen und nicht ideologisch geprägten Dialog mit allen Akteuren“, betonte Thüringens Bauernpräsident Helmut Gumpert vor dem Bauerntag. Nur so seien der Fortbestand der Landwirtschaft in Deutschland und das Niveau der Lebensmittel aus heimischer Produktion zu garantieren. (mit dpa)


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