Marktführer aus Bremen Ticketvermarkter CTS Eventim vor dem nächsten Coup

Von Stefan Wolff

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Bremen. Kaum ein Konzert, kaum ein Sportereignis findet in Deutschland ohne den Segen aus Bremen statt. CTS Eventim ist der größte Ticketvermarkter Europas und in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Vielleicht zu rasant, was die Kartellbehörden auf den Plan gerufen hat. Unterdessen bereitet sich CTS auf die Olympischen Spiele 2016 vor.

Von Stefan Wolff

Es wird es laut in einigen deutschen Stadien. Die australische Hardrockband AC/DC tourt durchs Land, so wie vor sechs Jahren auch schon. „Rock or Bust“ heißen die Tournee und der beworbene Tonträger, was man mit „Rocken oder kaputtgehen“ übersetzen kann. Ein martialischer Titel mit einem wahren Kern. Das Internet hat den klassischen Verkauf von Musik auf Tonträgern in den vergangenen Jahren einbrechen lassen. Die sinkenden Erlöse zwingen die Stars geradezu auf die Bühnen.

Davon profitiert Europas größter Ticketvermarkter CTS Eventim. Das in Bremen beheimatete Unternehmen beherrscht den Markt des „Ticketing“, also des Verkaufs und Vertriebs von Eintrittskarten für Veranstaltungen. 2014 verkaufte das Unternehmen weltweit mehr als 100 Millionen Tickets. CTS Eventim verdiente dabei kräftig, vor Steuern 121 (Vorjahr: 105) Millionen Euro.

Rasantes Wachstum des Online-Verkaufs

Zwar unterhält CTS Eventim immer noch etwa 20000 Vorverkaufsstellen, doch das Internet-Geschäft wächst. 30,7 Millionen Eintrittskarten brachte CTS Eventim laut aktuellem Geschäftsbericht über Verkaufsstellen im Netz unters Volk. Das waren fast 29 Prozent mehr als 2013.

Mittelfristig sollen mehr als die Hälfte aller Tickets über den virtuellen Ladentisch gehen. Zentrale Figur bei CTS Eventim ist Vorstandsvorsitzender Klaus-Peter Schulenberg. Der Manager übernahm 1996 die Firma Computer Ticket Service und brachte sie im Jahr 2000 an die Börse. Es folgte eine Zeit rasanten Wachstums, in der vor allem Konzertveranstalter aufgekauft wurden, darunter klangvolle Namen wie die Marek Lieberberg Agentur. Dadurch beteiligte sich das Unternehmen an der gesamten Wertschöpfungskette des Veranstaltungsbetriebs. Außerdem betreibt CTS Veranstaltungsorte wie die Waldbühne in Berlin oder die Köln Arena.

Aktienkurs um über 120 Prozent gestiegen

Das Wachstum spiegelt sich auch im Börsenkurs. Allein in den vergangenen drei Jahren sind die Aktien um über 120 Prozent gestiegen. Kürzlich stieg CTS Eventim in den M-Dax und damit in den Kreis der 50 wichtigsten börsennotierten Unternehmen hinter den 30 Dax-Werten auf. Damit gehören die Bremer zu den beeindruckendsten Überlebenden des Neuen Marktes. Denn nach dem Börsengang im Februar 2000 zum Preis von 21,50 Euro je Aktie dauerte der Boom nicht lange an. Die Internetblase platzte. Die Aktien brachen ein, wurden zu Penny Stocks.

Doch die wachsenden Geschäftsfelder machten auch Anleger wieder aufmerksam. Einen Coup landete Eventim beim Sommermärchen 2006. Das Unternehmen sicherte sich die Verkaufsrechte für die Eintrittskarten zu sämtlichen Fußballspielen der Weltmeisterschaft im eigenen Land. Insgesamt verkaufte CTS 3,2 Millionen Tickets und verdiente doppelt dabei. Denn da die Karten aus Sicherheitsgründen personalisiert verkauft wurden, mussten sie im Bedarfsfall umgeschrieben werden – gegen eine Gebühr in Höhe von zehn Euro. Diese Praxis hat so manchen Fan empört.

Sommermärchen 2006 als Visitenkarte

Der weitgehend reibungslose Ablauf des „Ticketing“ war aber auch gute Werbung für CTS Eventim. Jedenfalls kümmert sich das Unternehmen jetzt auch um den Kartenverkauf für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro im Jahr 2016. Damit steht das Tor weit offen für die Expansion nach Lateinamerika.

Die starke Marktposition vor allem in Deutschland rief im Februar die Kartellbehörden auf den Plan . Man wolle prüfen, ob CTS Eventim missbräuchlich seine marktbeherrschende Stellung ausgenutzt habe, sagte ein Sprecher des Bundeskartellamts. Dabei werde die kartellrechtliche Zulässigkeit verschiedener Geschäftspraktiken von CTS geprüft. CTS hält sich dazu bedeckt, sieht die Ermittlungen aber als unbegründet an.(Mit Reuters)


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