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16.06.2015, 09:26 Uhr KLIMASCHÄDLICHE E-AUTOS

Mogelpackung Elektromobilität

Von Manuel Glasfort


Die Regierung sollte nicht weiter in E-Mobilität investieren, findet unser Kommentator. Foto: dpaDie Regierung sollte nicht weiter in E-Mobilität investieren, findet unser Kommentator. Foto: dpa

Osnabrück. Leise, abgasfrei und klimafreundlich – so sieht sie aus, die schöne neue Mobilitätswelt. Das machen jedenfalls Politik und Industrie glauben. Mit neuen Subventionen wollen sie das ehrgeizige Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 erreichen. Lieber sollte der Staat sich von der Mogelpackung Elektromobilität verabschieden.

Auch wenn sie lokal keine Abgase produzieren, steht hinter der Ökobilanz von Elektroautos ein großes Fragezeichen. Denn erstens verschlingt die Herstellung der Batterien enorm viel Energie. Zweitens – eigentlich banal – sind die E-Autos nur so sauber wie der Strom, mit dem sie betankt werden. Heidelberger Forscher haben gezeigt, dass batteriebetriebene Autos beim heutigen Strommix nur wenig klimafreundlicher sind als Benziner und schlechter abschneiden als Dieselautos. Der Anteil klimaschädlichen Kohlestroms steigt aber tendenziell, da er den wegfallenden Atomstrom ersetzt.

All das kümmert die Autoindustrie wenig. Sie hat aus der Erfahrung anderer Branchen gelernt, die da lautet: Klebe ein „Öko“-Etikett auf ein Produkt und vertraue darauf, dass niemand genau hinsieht – schon öffnet sich der Staatssäckel. Den Gefallen sollte die Politik einer ohnehin prosperierenden Branche nicht tun. Sonst wiederholt sie den Fehler der Solarförderung: hohe Kosten bei bestenfalls kläglichem Nutzen.


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