Lebensversicherungen MLP-Chef rechnet mit Aus für viele Versicherungsmakler

Rechnet mit einer Marktbereinigung zulasten kleiner Versicherungsmakler: Uwe Schroeder-Wildberg, Chef des Finanzdienstleisters MLP.Foto: Gert WestdörpRechnet mit einer Marktbereinigung zulasten kleiner Versicherungsmakler: Uwe Schroeder-Wildberg, Chef des Finanzdienstleisters MLP.Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Der Vorstandsvorsitzende des Finanzdienstleisters MLP, Uwe Schroeder-Wildberg, sagt der Versicherungsbranche einen Ausleseprozess voraus. Das 2014 verabschiedete Lebensversicherungsreformgesetz bedeute für viele kleinere Versicherungsmakler das Aus, sagte Schroeder-Wildberg im Gespräch mit unserer Redaktion.

Auf der Vermittlerseite, aber auch bei den Versicherern werde eine Marktbereinigung stattfinden: „Wer bei einer längeren Stornohaftung als Vermittler viele Vertragskündigungen hat, wird aus dem Markt geschossen werden“, so Schroeder-Wildberg. Auch bei einer weiteren Streckung der Provision über die Laufzeit der Versicherung werden seiner Prognose nach kleinere Vermittler und solche, die geringere Qualität liefern, Probleme haben, sich am Markt zu halten. Der vom Gesetz geforderte Verwaltungs- und Dokumentationsaufwand belaste die kleinen Unternehmen der Branche zusätzlich.

Gesetz soll für mehr Verbraucherschutz sorgen

MLP, das bundesweit rund 847000 Kunden Versicherungen, Vermögensanlagen und Immobilien vermittelt, sieht Schroeder-Wildberg für den Wettbewerb unter dem Lebensversicherungsreformgesetz gut gerüstet: „Das Gesetz wird einen erheblichen Beitrag dazu leisten, dass Qualität ein höheres Gewicht bekommt. Die Spreu wird sich vom Weizen trennen.“

Mit der Neuregelung will das Bundesfinanzministerium nach eigener Darstellung die Leistungsfähigkeit von Lebensversicherungen im aktuellen Niedrigzinsumfeld sichern und den Verbraucherschutz bei der privaten Altersvorsorge stärken. Derzeit handeln die Versicherer und ihre Vermittler deren künftige Provisionen aus.

Kritik an Lebensversicherern

Der MLP-Vorstandschef übte Kritik an den Lebensversicherern. Sie hätten beim Marketing in den vergangenen Jahren zu sehr auf den Wertsteigerungsaspekt für die Versicherten gesetzt. Der ursprüngliche Zweck von Lebens- und Rentenversicherungen, über ein Kollektiv Risiken abzufedern, sei dabei in den Hintergrund geraten. Tendenziell, so Schroeder-Wildberg, unterschätzten die Deutschen ihre Lebenserwartung um acht Jahre.

Auch bei der staatlichen Regulierung der Versicherungs- und Finanzberatung sieht er Änderungsbedarf: Gegenwärtig lägen Regulierung und Aufsicht bei zu vielen verschiedenen Behörden. „Freie Vermittler werden lediglich von Gewerbeämtern beaufsichtigt. Andere, wie wir, von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Dabei sind alle im selben Markt unterwegs.“ Die Trennung sei aus Verbrauchersicht nicht nachvollziehbar. Gewerbeämter seien nicht ausreichend dafür aufgestellt, Finanzdienstleister fundiert zu beaufsichtigen.

Digitalisierung krempelt Branche um

Der MLP-Chef erwartet, dass die Digitalisierung von Kommunikation auch seine Branche verändert. Kunden gingen immer umfangreicher informiert in die Beratungsgespräche. Dies zwinge Finanzberater zum Umdenken, biete aber auch neue Chancen: „Sie liegen darin, dass die Fülle an Informationen für die Kunden auch ein Problem ist. Was ist wirklich relevant? Was hilft mir tatsächlich, bessere Entscheidungen zu treffen?“ Seiner Ansicht nach wird die persönliche Beratung unter diesen Bedingungen wichtiger.


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