Deutscher Markt eingebrochen Melle: Bioconstruct behauptet sich in der Biogas-Krise

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Bioconstruct aus Melle, gegründet von Henrik Borgmeyer und Matthias Kief, behauptet sich trotz Biogas-Krise am Markt. Foto: Norbert WiegandBioconstruct aus Melle, gegründet von Henrik Borgmeyer und Matthias Kief, behauptet sich trotz Biogas-Krise am Markt. Foto: Norbert Wiegand

Melle. Das Szenario wirkte bedrohlich. Als die Bundesregierung beschloss, ab August 2014 die Förderung für Strom aus Biogas-Kraftwerken um 40 Prozent einzustampfen, sorgte sich die Branche um ihre Zukunft. Tatsächlich ist der Markt in Deutschland zusammengebrochen. Trotz dieser Verwerfungen schlägt sich der Anlagenbauer Bioconstruct aus Melle ganz gut.

„Für uns ist es nicht so schlimm gekommen wie befürchtet“, sagt Ko-Geschäftsführer Matthias Kief. Das liegt am guten Auslandsgeschäft.

Branche schwer getroffen

In der Branche hat die jüngste Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu tiefen Einschnitten geführt. Bot der Anlagenbau 2011 noch 25 000 Arbeitsplätze, sind davon laut Fachverband Biogas nur 5000 übrig geblieben. Für das laufende Jahr erwartet der Verband bundesweit noch 61 neue Anlagen. In den Vorjahren waren es jeweils mehr als 300. Zur Boomzeit, 2009 bis 2011, sogar um die 1000. „Ohne funktionierenden heimischen Markt werden viele deutsche Firmen nicht überleben können“, sagte Vizepräsident Hendrik Becker kürzlich.

Bioconstruct lebt. 2001 hat Kief die Firma gemeinsam mit Henrik Borgmeyer gegründet. Gut 350 Biogas-Anlagen haben sie in der Zeit gebaut, etwa zwei Dutzend davon betreiben sie selbst. 2012 lag der Umsatz bei 80 Millionen Euro, Bioconstruct hatte knapp 100 Mitarbeiter. Dass zwischenzeitlich einem Großteil die Entlassung drohte, ist Geschichte. Heute beschäftigt das Unternehmen noch mehr als 70 Menschen und setzt knapp 60 Millionen Euro um. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Kief.

Geschäft läuft im Ausland

Statt dem Neubau in Deutschland stehen nun England, Italien, Tschechien und die Türkei sowie der Service für bestehende Anlagen im Fokus. In Frankreich will das Unternehmen Fuß fassen. In Deutschland steht es um die Perspektiven hingegen schlecht. Immerhin: Von den wenigen Neubauten konnte Bioconstruct einige für sich gewinnen.

Zudem investiert Bioconstruct in die eigenen Anlagen, wie am Stammsitz in Melle-Riemsloh. Sie sollen flexibler auf Schwankungen im Stromnetz reagieren können. Kief sieht Biogas weiterhin als Rückgrat der Energiewende. „Die Flexibilisierung hat in Zukunft einen hohen Wert, Biogas kann die Schnittstelle zwischen den Energieträgern sehr gut abbilden.“ Anders als bei Wind- und Solarstrom steht die Leistung rund um die Uhr zur Verfügung und ist nach Bedarf abrufbar.

Staat honoriert Investitionen nicht

Nach kleinen Umbauten können die Bio-Kraftwerke flexibel auf Schwankungen reagieren. So beträgt die Leistung der Anlage in Riemsloh im Mittel etwa ein Megawatt. In der Spitzenzeit morgens und abends sind bereits bis zu 2,5 Megawatt möglich – und nach weiteren Modifikationen bald drei Megawatt. „Die Lastspitzen wären durch Biogas problemlos abzufedern“, sagt Kief. Das Problem: Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes honoriert das nicht. Nicht nur Neubauten wurden ausgebremst, durch die sogenannte Höchstbemessungsgrenze würden Steigerungen des Wirkungsgrads alter Anlagen verhindert.

Mehr Ausbeute wäre möglich

Vor fünf Jahren brachten es neue Blockheizkraftwerke auf einen elektrischen Wirkungsgrad von 37 bis 39 Prozent. Mit neuer Technik seien 45 Prozent möglich. Zusätzliche Ökostrom-Förderung gibt es dafür aber nicht mehr. Kief: „Wegen des Gesetzes ist die Mehrleistung durch die Wirkungsgradsteigerung nicht nutzbar.“ Bioconstruct unterstützt eine im Mai eingereichte Verfassungsklage gegen die Regelung. „Wir sind der Auffassung, dass der Gesetzgeber das nicht darf“, sagt er. Kippt die Regelung, könnte das den deutschen Markt etwas beleben.


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