Vertriebszentrum vor Hochsaison Adidas in Rieste soll Konzernwachstum vorantreiben

Den Mitarbeitern im Adidas-Logistikzentrum in Rieste nordöstlich von Osnabrück stehen anstrengende Monate bevor. Von Juni bis August ist Hochsaison. Foto: Gert WestdörpDen Mitarbeitern im Adidas-Logistikzentrum in Rieste nordöstlich von Osnabrück stehen anstrengende Monate bevor. Von Juni bis August ist Hochsaison. Foto: Gert Westdörp

Rieste. Das wegen Ausbeutungsvorwürfen in die Schlagzeilen geratene Logistikzentrum des Sportartikelherstellers Adidas in Rieste im Osnabrücker Land bereitet sich auf die Hochsaison vor. Dazu schaltet das „Central Distribution Center“, wie es in der Sprache des Konzerns heißt, in dieser Woche auf Drei-Schichten-Betrieb und startet ein Effizienzprogramm.

Der zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt hatte im März eine neue Strategie ausgerufen, mit der er sich an Weltmarktführer Nike heranarbeiten will. Der Umsatz soll bis 2020 von 14,5 Milliarden Euro auf 22 Milliarden Euro wachsen, allein in diesem Jahr um 14 Prozent. Eine weitere Zielvorgabe: Binnen fünf Jahren soll Adidas in Westeuropa Marktführer werden - in der Region also, in der Sport- und Modegeschäfte, konzerneigene Boutiquen und Endkunden im Online-Handel vom weltweit größten Vertriebszentrum des Unternehmens in Rieste beliefert werden. Der Standort war zuletzt wegen Vorwürfen gegen dort eingesetzte Zeitarbeitsfirmen in die Schlagzeilen geraten. Leiharbeiter hatten von Ausbeutung durch die Subunternehmen berichtet.

Riesige Mengen neuer Ware

„Der Peak steht vor der Tür“, rief Standortleiter Roland Weber mehreren Hundert Mitarbeitern während einer Betriebsversammlung Ende vergangener Woche zu. „Peak“ (englisch: Gipfel), damit meinte Weber die Phase des höchsten Warendurchsatzes von Juni bis August. In diesen Monaten wechselt Adidas seine Kollektionen aus, riesige Mengen neuer Ware müssen in den Handel gebracht werden. Das Management in Rieste rechnet damit, dass dann bis zu 850 Menschen im Vertriebszentrum arbeiten.

Der Leiter des Warenlagers, Sven Künnemann, erinnerte an die Peak-Phase des vergangenen Jahres – im Juli 2014 sei man wegen technischer Probleme in Rückstand gekommen. Durch extrem hohen Einsatz hätten die Mitarbeiter diesen aufgeholt. Peak bedeutet für die aus fünf Nationen stammenden Arbeiter auch, dass zu den drei Schichten an Wochentagen zwei Samstagsschichten hinzukommen werden. Damit dürften auch die umstrittenen Bereitschaftsdienste wieder auf der Agenda stehen, für die Leiharbeiter Adidas und seine Zeitarbeitsfirmen scharf kritisiert hatten.

Effizienzprogramm beginnt

Das riesige Logistikzentrum, das die Silhouette des Gewerbegebiets Niedersachsenpark an der Autobahn A1 beherrscht, soll effizienter werden – auch das war eine Botschaft des Managements auf der Betriebsversammlung in der vergangenen Woche. Eine dreiköpfige Spezialistengruppe durchleuchtet nun Arbeitsabläufe, um zu ermitteln, wo sich Zeit und Ressourcen einsparen lassen. „Alles, was dem Kunden keinen Mehrwert bringt, ist Vergeudung“, sagte Magnus Trippler, der Leiter des „Lean Team“ (lean : englisch für schlank). Mit Hilfe der aus Japan stammenden Organisationsmethode „5S“ sollen die Arbeitsstationen übersichtlicher, bedienungsfreundlicher und sauberer werden.


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