Wirtschaftskrimi in Osnabrück Kaffee Partner: Konkurrenz im eigenen Hause?

Unten Kaffee Partner, oben Coffee Perfect: Durch die Zentrale am Osnabrücker Hafen verläuft ein Riss. Foto: David EbenerUnten Kaffee Partner, oben Coffee Perfect: Durch die Zentrale am Osnabrücker Hafen verläuft ein Riss. Foto: David Ebener

Osnabrück. Geschwungene Linien, weiße Fassade: Der Firmensitz von Kaffee Partner am Osnabrücker Hafen strahlt Harmonie aus. Hinter den Kulissen ist es damit nicht weit her. Dort tobt ein Streit, der ein Landgericht beschäftigt und das Unternehmen spaltet. Der Verdacht: Konkurrenz im eigenen Hause.

  • Einstweilige Verfügungen gegen ehemalige Geschäftsführer, verunsicherte Mitarbeiter: Hinter den Kulissen des Kaffeemaschinen-Vermieters Kaffee Partner aus Osnabrück brodelt es. Im Raum steht der Verdacht der Konkurrenz im eigenen Hause.
  • Ausgangspunkt ist der gescheiterte Versuch der Alt-Eigentümer Andreas Ost und Michael Koch, Kontrolle über ihr Unternehmen zurückzugewinnen. Stattdessen verkauften sie im Herbst 2014 die letzten Anteile an Finanzinvestoren.
  • Parallel dazu verließen die Geschäftsführer das Unternehmen – und tauchten wenig später beim einstigen Ableger „Coffee Perfect“ wieder auf, um dessen Expansion voranzutreiben. Nun könnte Coffee Perfect zum Konkurrenten von Kaffee Partner werden.

Kaffee Partner versteht sich als glänzendes Unternehmen. 100 Millionen Euro Jahresumsatz macht die Firma mit dem Vermieten von Kaffeemaschinen, die in 70.000 Firmen landauf, landab das Personal mit Koffein versorgen. Kaffee Partner gilt als kerngesund, erwirtschaftet hohe Renditen, ist mit der jüngsten Expansion nach Österreich und in die Schweiz auf Wachstumskurs.

Dennoch mussten die Eigentümer, die Schweizer Finanzinvestoren Capvis Equity Partners und Partners Group, am vergangenen Freitag vor versammelter Mannschaft versichern, dass sie an ihrem Investment bei Kaffee Partner festhalten und noch auf Jahre dabei sein werden. Ein Versuch, Ruhe in einen Betrieb zu bringen, in dem es seit Monaten rumort.

Unternehmer wollten Kontrolle zurückgewinnen

Was war geschehen? Im Kern steht der gescheiterte Versuch der Alt-Eigentümer Andreas Ost und Michael Koch, Kontrolle über ihr Unternehmen, die Kaffee Partner Holding, zurückzugewinnen. Sie hatten 2001 Finanzinvestoren ins Boot geholt, verkauften später weitere Anteile, gaben 2010 die Mehrheit auf. Vergangenen Herbst sollen sie vergeblich versucht haben, die Mehrheit von Capvis und Partners Group zurückzukaufen.

Schon hier gibt es in unternehmensnahen Kreisen verschiedene Sichtweisen. Die eine lautet: Koch und Ost hätten das nötige Geld nicht zusammenbekommen. Die andere: Sie seien bei den Investoren abgeblitzt. Jedenfalls haben sie daraufhin ihre restlichen Anteile verkauft. Seither überschlagen sich die Ereignisse.

Manager wechseln die Seite

Es folgt das, worauf man bei der großen Kaffee-Partner-Holding gelinde gesagt verärgert reagiert hat. Mit Ost und Koch verließen auch die Geschäftsführer Marc Beimforde und Jan-Dirk Büsselmann das Unternehmen – um wenig später beim einstigen Ableger des Kaffee-Imperiums, der Kaffee Partner Shop GmbH („Coffee Perfect“), aufzutauchen. Die Firma betreibt das Café nebenan, verkauft im Internet Kaffeepulver und -maschinen an Privatkunden – und gehört weiterhin den Familien Ost und Koch. Obendrein befinden sich ihre Geschäftsräume im selben Gebäude, Kaffee-Partner-Allee 1.

Mit Beimforde und Büsselmann soll es gelingen, dass Coffee Perfect künftig für mehr steht als das Café und den Handel mit Privatkunden. Das klare Ziel: „Die Kaffee Partner Shop GmbH weiter wachsen lassen“, sagt deren Geschäftsführer Christoph Geyer. In Osnabrück ist er bekannt. Bevor er vergangenen Herbst die Leitung von Coffee Perfect übernahm, führte er den Landmaschinen-Reifenhändler Bohnenkamp, war lange für den Kupferverarbeiter KME tätig.

Geschäftskunden im Blick

Im Blick hat er nicht mehr nur Privatleute, es geht ihm um Geschäftskunden. Dass sich Coffee Perfect damit im angestammten Markt des großen Nachbarn bewegt: „Das ist nicht auszuschließen“, sagt Geyer. Was formell als „Geschäftsfelderweiterung“ bezeichnet wird und unternehmensnahe Personen als Angriff des einstigen Ablegers auf das frühere Mutterschiff werten, sieht Geyer nicht so kritisch. Coffee Perfect sei erfolgreich, wolle wachsen und werde sich dafür in ein neues Geschäftsfeld begeben, sagt er. Durch den Vertrieb von mehr oder minder professionellen Kaffeemaschinen habe man es ohnehin schon mit einigen Geschäftskunden zu tun.

Die verschnupfte Reaktion des Konkurrenten: Vor zwei Wochen erwirkte die Kaffee-Partner-Holding vor dem Landgericht Osnabrück einstweilige Verfügungen gegen Beimforde und Büsselmann. „Wir sind mehr als verwundert über das Verhalten der ehemaligen Geschäftsführer und der Kaffee Partner Shop GmbH“, sagt ein Unternehmenssprecher unserer Redaktion. Die Ex-Manager werden der arglistigen Täuschung bezichtigt. „Wir haben keine Kenntnis der dahinterstehenden Motivation, stellen jedoch fest, dass dieses Verhalten geeignet wäre, der Kaffee Partner GmbH zu schaden“, sagt der Sprecher.

Auf Wettbewerbsverbot verzichtet

Strittig sind etwa die Angaben der früheren Geschäftsführer, die dazu führten, dass Kaffee Partner bei der Auflösung der Verträge auf das sonst übliche nachvertragliche Wettbewerbsverbot verzichtete. Laut Gericht dürfen Beimforde und Büsselmann zunächst nicht weiter in Konkurrenz zu ihrem Ex-Arbeitgeber, der Kaffee Partner Holding GmbH, treten. Besonders nicht im selben Gebäude, Kaffee-Partner-Allee 1.

Gegen die einstweiligen Verfügungen haben beide Manager Widerspruch eingelegt. Weitere Schritte behält sich auch Kaffee Partner gegenüber seinen Ex-Geschäftsführern vor und denkt laut über eine mögliche Forderung nach Schadenersatz nach. „Ebenso wie strafrechtliche Schritte“, sagt der Unternehmenssprecher.

Mitarbeiter verunsichert

Das alles trifft auch die rund 530 Mitarbeiter bei der Kaffee Partner Holding. Inwiefern, ist erneut eine Frage der Deutung. Eine Seite wirft Beimforde und Büsselmann vor, auf den Fluren des Kaffee-Imperiums Mitarbeiter gezielt abzuwerben. Die andere Seite spricht von täglich mehreren Dutzend Bewerbungen, die bei Coffee Perfect eingingen. Sie stammten von verunsicherten Mitarbeitern, die sich um ihre Zukunft bei der Kaffee-Partner-Holding sorgten. Sie fürchten angeblich einen Verkauf des Unternehmens, den die Finanzinvestoren auf der Versammlung am Freitag so vehement abstritten.

Alle Bewerber aufnehmen kann Geyer aber nicht. „Wir sind ein kleines, junges Unternehmen“, sagt er. Wer sich für vakante Positionen eigne, sei bei Coffee Perfect jedoch stets willkommen. Er betont: „Es geht dabei keinesfalls um eine Demontage der Kaffee-Partner-Holding.“

Büsselmann arbeitet wieder

Unklar ist unterdessen, ob die einstweiligen Verfügungen gegen die beiden Manager Beimforde und Büsselmann Bestand haben werden. Die Sache beschäftigt Anfang Juni erneut die Kammer für Handelssachen am Landgericht. Coffee Perfect sieht das Recht bereits auf seiner Seite – Büsselmann habe die Arbeit nach einem zwischenzeitlichen Gerichtstermin bereits wiederaufgenommen, und Beimforde werde dies im Juni tun, heißt es. Dann geht der Kaffeekrieg in die nächste Runde.


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