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Sportartikelhersteller wehrt sich „Adidas ist die Hölle“: Kritik von Arbeitern in Rieste

Von Dirk Fisser

Hölle oder Erfolgsgeschichte? Das Adidas-Werk in Rieste. Foto: AlwesHölle oder Erfolgsgeschichte? Das Adidas-Werk in Rieste. Foto: Alwes

Osnabrück. Leiharbeiter des Adidas-Logistikzentrums in Rieste im Landkreis Osnabrück erheben in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“ schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen. Eine Frau aus Bramsche sagt: „Arbeiten bei Adidas, das ist die Hölle.“ Der Konzern aus Herzogenaurach entgegnet: „Aus unserer Sicht entbehren alle Vorwürfe jeglicher Grundlage.“ Und auch der Betriebsrat findet, an den Anschuldigungen sei „überhaupt nichts dran.“ Es steht Aussage gegen Aussage.

In der zweiseitigen Reportage berichten vier Arbeiter über fragwürdige Bedingungen in dem Werk: unbezahlte Überstunden, Arbeiten bis zur Erschöpfung, Einschüchterungen durch Vorgesetzte. Die „Zeit“ schreibt von „Menschen, die wie Rechtlose behandelt werden.“ Adidas habe offenbar keinen Überblick über das Treiben der Zeitarbeitsfirmen, bei denen die Leiharbeiter angestellt seien, schlussfolgert die Autorin.

281 Festangestellte, 583 Zeitarbeiter

Wie Adidas auf Nachfrage erklärt, seien am Standort Riese 281 Festangestellte tätig. 583 Menschen seien von den Zeitarbeitsfirmen „Manpower“ oder „Olympia Personaldienstleistungen“ in das 2013 eröffnete Werk im Osnabrücker Land entsandt.

Die Vorwürfe der Leiharbeiter erinnern an Schilderungen aus der Schlachtbranche. Sie sagen etwa, sie hätten 30 Stunden mehr im Monat gearbeitet, als es in den Unterlagen vermerkt werde. Zudem gebe es einen sogenannten Bereitschaftsdienst, bei dem Arbeiter permanent telefonisch erreichbar sein müssten. Die „Zeit“ beruft sich auf Zettel in deutscher und polnischer Sprache, die im Werk aushängen sollen. Adidas streitet die Existenz eines solchen Dienstes allerdings ab.

Adidas verteidigt Subunternehmer

In einer Reaktion auf den Artikel stellt sich der Sportartikelhersteller explizit vor seine Subunternehmer: „Wir haben alle Vorwürfe gemeinsam mit unserer Personalabteilung und dem Betriebsrat vor Ort in Rieste geprüft. Das Ergebnis: […] Die erwähnten Vorwürfe bezüglich Abrechnungen, Überstunden und Urlaubsansprüchen treffen nicht zu.“

Vize-Betriebsratsvorsitzender Jens Worpenberg bestätigt unserer Redaktion, dass sich keiner der im Artikel beschriebenen Kollegen an ihn gewandt habe – trotz des engen Verhältnisses, das der Betriebsrat auch zu den Leiharbeitern habe. „Wir behandeln alle Teile der Belegschaft gleich“, betont Worpenberg. Er räumte allerdings ein, dass sich kein Leiharbeiter im Betriebsrat befände. Dies sei gesetzlich nicht erlaubt.

Betriebsrat: Keine Probleme bekannt

„Arbeitsleistung, Motivation – das ist alles top“, beschreibt Worpenberg die Kollegen der Leiharbeitsfirmen. Im relativ neuen Werk in Rieste bewege sich alles im gesetzlichen Rahmen. Dementsprechend geschockt sei er von dem Zeit-Artikel gewesen. An den Vorwürfen sei „überhaupt nichts dran“. Die Arbeitszeiten würden korrekt erfasst. Die „Zeit“ beruft sich auf Arbeitsunterlagen, die der Reporterin vorlägen.

Worpenberg sagt weiter: „Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass niemand im Werk eingeschüchtert worden ist.“ Was allerdings vor den Werkstoren, etwa in den Büros der Zeitarbeitsfirmen passiere, könne er auch nicht sagen.

Für Adidas eine Erfolgsgeschichte

„Rieste ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt die Konzernsprecherin zu dem Logistikzentrum. „Die Leute werden weggeschmissen“, zitiert die „Zeit“ eine Arbeiterin. „Die Fluktuation liegt unter dem Branchenschnitt“, entgegnet die Sprecherin. „Seit Eröffnung des Distributionszentrums in Rieste/Niedersachsenpark hat die adidas Gruppe 281 neue Arbeitsstellen geschaffen und allein im vergangenen Jahr 117 Mitarbeiter von Olympia und Manpowergroup übernommen, in diesem Jahr bislang 24.“

Einen Hintergrund zum Gewerbegebiet Niedersachsenpark im Landkreis Osnabrück finden Sie in der Zeitung „Die Wirtschaft“ aus dem März.


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