Richard Oetker spricht auf Betriebsversammlung Coppenrath & Wiese bleibt nach Übernahme eigenständig

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Osnabrück. Neuer Eigentümer, sonst alles beim alten: Nach der Übernahme der Osnabrücker Conditorei Coppenrath & Wiese durch Dr. Oetker soll das Geschäft wie gewohnt weiterlaufen. Unternehmenslenker Richard Oetker gab allen Mitarbeitern am Sonntag eine Garantie für den Erhalt aller Arbeitsplätze und Standorte.

Inkognito hatte er am Samstag die Werke in Osnabrück und im westfälischen Mettingen besucht, am Sonntag trat er persönlich vor die Belegschaft: Konzernchef Richard Oetker, sonst nie Öffentlichkeit zu sehen, stellte auf einer Betriebsversammlung des Tortenbäckers sich und das Unternehmen Dr. Oetker vor. Mitgebracht hatte er die komplette Führungsetage des Nahrungsmittelherstellers. Im anschließenden Gespräch stellte er gleich einmal klar: „Es wird alles beibehalten, wir haben großes Vertrauen in die Geschäftsführung und werden keine Änderungen vornehmen.“

Das bedeutet: Coppenrath & Wiese wird mit der bisherigen Geschäftsführung als eigenständiges Unternehmen weitergeführt. Die im vergangenen Sommer ausgesprochene Beschäftigungsgarantie für alle Mitarbeiter bis 2018 und den Erhalt beider Standorte bestätigte er erneut. Auch das Geschäft mit Handelsmarken werde fortgeführt. Oetker rechnet damit, dass die letzte Hürde für die Übernahme, die Zustimmung des Bundeskartellamtes, in vier bis sechs Wochen vorliegen dürfte.

Die weitere Zusammenarbeit stellt sich Oetker so vor: „Wir werden herausarbeiten, wo wir uns fruchtbar ergänzen können.“ Damit meint er die weitere Internationalisierung von Coppenrath & Wiese. Der Konzernchef will die Oetker-Auslandsgesellschaften „nutzen, um die Produkte in so viele Länder wie möglich zu tragen“.

Ein großer Andrang blieb bei der Betriebsversammlung im Bürgerhaus Ibbenbüren aus. Weniger als 1000 der rund 2200 Mitarbeiter erschienen. Im Sommer 2014, als der Belegschaft eine Beschäftigungsgarantie gegeben worden war, kamen fast 1800. Eine Erklärung dafür war vor der Tür oft zu hören: Etliche Kollegen seien sauer, dass sie von der Übernahme am Donnerstag nur aus Medien erfahren hätten, nicht aus dem Betrieb.

Dabei wurden die Verantwortlichen von den Ereignissen überholt. „Bis Donnerstag zur Vertragsunterzeichung wusste ich auch nicht, ob das was werden wird oder nicht“, beteuerte Oetker. Jetzt sei freundlich empfangen worden. Davon sei er „hochemotionalisiert“, das müsse er erst einmal verarbeiten.

Damit kommt Coppenrath&Wiese nach zehn Monaten der Übernahmeverhandlungen wieder in ruhiges Fahrwasser. Mit der ausstehenden Verkaufsentscheidung blieben Investitionen aus. Nun sollen innerhalb der nächsten zwölf Monate 16 Millionen Euro in den Ausbau der Bereiche Frische und Brötchen fließen. Es geht um eine Erweiterung der Produktionskapazitäten um satte 15.000 Quadratmeter.

„Unsere Firma hat in dieser Zeit wirklich gelitten“, sagte Geschäftsführer Andreas Wallmeier. „Wir haben eine zehnmonatige Kreuzfahrt hinter uns.“ Die Marke habe bei Kunden zwar nicht an Reputation eingebüßt, wohl aber das Unternehmen im direkten Umfeld. „In der Region hat uns die Diskussion um die Zukunft nicht gut getan.“

Auch aus Sicht der Arbeitnehmervertreter dürfte jetzt alles gut werden. Am Freitag habe er in der Bielefelder Oetker-Zentrale ein „offenes und ehrliches“ Gespräch führen können, sagte Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz Hukriede. „Das erste mal seit Monaten haben wir wieder lachen können.“

Während Richard Oetker als künftiger Hausherr seine komplette Führungsetage – als Fahrgemeinschaft mit VW-Bussen – mit nach Ibbenbüren gebracht hatte, blieben andere Verantwortliche der Versammlung fern. Kein Mitglied der Familie Coppenrath ließ sich am Sonntagvormittag blicken, auch keiner ihrer Rechtsbeistände. „Wir hätten uns sehr gefreut, wenn wir hier persönlich Abschied hätten nehmen können“, sagte Geschäftsführer Wallmeier.

Einen guten Kontakt haben die beiden Unternehmen unterdessen schon seit Jahren gepflegt. Geschäftlich wie privat: Vor zehn Jahren hat Dr. Oetker die Produktion von Mini-Berlinern an Coppenrath&Wiese verkauft. Und noch wenige Tage vor dem Tod von Firmengründer Aloys Coppenrath gab es ein persönliches Gespräch mit Richard Oetker über Expansionspläne im Ausland, berichtete Oetker. Einen Blick hatte er auf das Osnabrücker Unternehmen schon lange geworfen: „Gewünscht haben wir uns das schon lange“, sagte er.

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