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Gemischte Gefühle bei Mitarbeitern Dr. Oetker kauft Coppenrath & Wiese

Verhandlungen beendet: Der Lebensmittelkonzern Dr. Oetker hat das Osnabrücker Familienunternehmen Coppenrath & Wiese gekauft. Foto: David EbenerVerhandlungen beendet: Der Lebensmittelkonzern Dr. Oetker hat das Osnabrücker Familienunternehmen Coppenrath & Wiese gekauft. Foto: David Ebener

Osnabrück. Das Rennen ist entschieden: Der Bielefelder Lebensmittelkonzern Dr. Oetker kauft den Osnabrücker Tiefkühlkonditor Coppenrath & Wiese. Das teilte die Dr. Oetker-Unternehmensleitung mit. Die Verträge seien am 5. März unterschrieben worden. Bei einigen Mitarbeitern löste die Nachricht gemischte Gefühle aus.

Von Christian Schaudwet und Jörg Sanders

„Für Dr. Oetker ist die geplante Akquisition von Coppenrath & Wiese ein historischer Meilenstein der Unternehmensgeschichte und bedeutet den Markteintritt in für uns bisher nicht bearbeitete Segmente“, sagte Unternehmenschef Richard Oetker der Pressemitteilung zufolge. Er betonte, die Marke Coppenrath & Wiese und auch das Handelsmarkengeschäft des Unternehmens werde man „in gewohnter Zuverlässigkeit unverändert weiterentwickeln“. Die vom Betriebsrat von Coppenrath & Wiese mit den Alteigentümern im vergangenen Jahr vereinbarte Beschäftigungsgarantie bis 2018 bestätigte Oetker. Über den Kaufpreis machte er keine Angaben. Beide Seiten hätten darüber Stillschweigen vereinbart.

Bedenken des Betriebsrats

Mit dem Hinweis auf das Handelsmarkengeschäft reagierte Dr. Oetker sehr wahrscheinlich auf Bedenken des Betriebsrats . Dieser hatte die Befürchtung geäußert, bei einem Verkauf an das Bielefelder Familienunternehmen könnte die wichtige Produktion für Eigenmarken von Supermarktketten zurückgefahren werden, was zu Stellenstreichungen führen könnte.

„Extreme Unruhe“ in der Belegschaft

Die Öffentlichmachung des Verkaufs vor der für den 8. März angesetzten Betriebsversammlung hat die Arbeitnehmervertreter nun überrascht. „Die Entscheidung ist getroffen, alles Weitere muss man sehen“, sagte Hermann Langelage, Mitglied des Betriebsrats, im Gespräch mit unserer Redaktion. Er rechnet damit, dass Vertreter von Dr. Oetker den Mitarbeitern während der Zusammenkunft am Wochenende Rede und Antwort stehen. Positiv bewertete er, dass überhaupt eine Entscheidung getroffen wurde: „Wir sind froh darüber, denn unter den Mitarbeitern herrschte angesichts der unklaren Lage extreme Unruhe .“

Gemischte Gefühle bei Mitarbeitern

Einige Mitarbeiter zeigten sich am Donnerstag erfreut über die Nachricht. „Endlich hat das lange Warten und Bangen ein Ende“, sagt ein Mitarbeiter am Standort Atter, der dort seit zehn Jahren beschäftigt ist. Doch gänzlich ist die Unruhe nicht verschwunden. „Wir haben eine Garantie bis 2018 – aber was ist danach“, fragt sich eine Mitarbeiterin, die seit 23 Jahren in Atter arbeitet. „Ich bin Mitte 50 – das macht mir schon Sorgen“, sagt sie mit Blick auf 2018.

Auch jenseits der Produktion machen sich Mitarbeiter Gedanken über Dinge, die Oetker künftig nicht mehr ins Konzept passen könnten. Stefan Berlemann, Betriebsratsvorsitzender am Standort Atter, versteht die Ängste einiger Mitarbeiter. „Wir haben zwar die Garantie bis 2018, aber die Sorgen und Ängste sind erst mal da“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Wir hoffen auf eine gute Zukunft, haben aber auch Angst davor.“ Sorge bereite ihm, Dr. Oetker könnte die Verwaltung zentralisieren und nach Bielefeld verlegen.

„Ich bin auch sehr skeptisch, wie es nach 2018 weitergeht“, sagt ein Lkw-Fahrer am Standort Atter. Dr. Oetker habe schließlich keine eigene Spedition – werden die Bielefelder ihn langfristig beschäftigen wollen, fragt er sich. So wie er äußerten auch andere Mitarbeiter ihre Angst vor dem, was nach Juni 2018 passiert, wenn die Beschäftigungsgarantie ausläuft.

Zustimmung für Übernahme stehen gut

Dr. Oetker wies darauf hin, dass der Verkauf noch unter dem Vorbehalt einer behördlichen Genehmigung stehe. Üblicherweise werden mögliche Bedenken des Bundeskartellamts bei solchen Transaktionen bereits im Vorfeld ausgelotet. Die Chancen für eine Zustimmung zur Übernahme dürften gut stehen.

Brigitte Coppenrath zuversichtlich

Auch Brigitte Coppenrath, die für die Erbengemeinschaft sprach, äußerte sich in der Pressemitteilung optimistisch über die Aussichten der Belegschaft. Die Gesellschafter seien „sicher, dass wir mit Dr. Oetker den richtigen Partner für die weitere Entwicklung von Coppenrath & Wiese gefunden haben“, wurde die Witwe des Firmengründers Aloys Coppenrath zitiert. „Dr. Oetker ist ein verlässliches, erfolgreiches und traditionsbewusstes Familienunternehmen, bei dem die Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen und das sich langfristigem Wachstum verschrieben hat.“


Osnabrücker Erfolgsgeschichte:

Die Erfolgsgeschichte von Coppenrath und Wiese hat Mitte der 1970er Jahre mit der „Wiener Platte“ in den Tiefkühltruhen der Supermärkte begonnen. Heute ist das Unternehmen, das seine Verwaltung im niedersächsischen Osnabrück und die Produktion im westfälischen Mettingen hat, eigenen Angaben zufolge mit einem Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro Europas größter Hersteller von tiefgekühlten Torten und Kuchen. Rund 2200 Mitarbeiter beschäftigt das Familienunternehmen. Neben Sahnetorten und -Schnitten gehören Strudel, Minigebäck sowie tiefgekühlte Brötchen und Baguettes zum Programm.

Gegründet wurde Coppenrath und Wiese 1975 von Aloys Coppenrath und seinem Vetter Josef Wiese. Wiese schied 2004 aus dem Unternehmen aus. Nach dem Tod von Coppenrath im März 2013 konnte sich die Erbengemeinschaft nicht auf einen gemeinsamen Kurs für das Unternehmen einigen.

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