Vroom & Dreesmann kämpft ums Überleben Niederländische Warenhauskette mit Geldsorgen

Von Helmut Hetzel

In vielen niederländischen Städten wie hier in Alkmaar, gibt es Filialen von Vroom & Dreesmann. Foto: ArchivIn vielen niederländischen Städten wie hier in Alkmaar, gibt es Filialen von Vroom & Dreesmann. Foto: Archiv

Den Haag/Haselünne. Seit Wochen kommt die niederländische Warenhauskette Vroom & Dreesmann (V&D) nicht aus den negativen Schlagzeilen heraus. Dem Unternehmen, 1887 von dem gebürtigen Haselünner Anton Dreesmann und seinem Geschäftspartner Willem Vroom in Amsterdam gegründet, droht jetzt die Zahlungsunfähigkeit.

„Wir bleiben geöffnet wie immer“, sagt eine V&D-Verkäuferin in Amsterdam trotzig zu einem Kunden, der gestichelt hatte: „Sie sind ja immer noch offen.“ Dass die 63 Filialen der V&D-Kette noch geöffnet haben, grenzt an ein Wunder, ist aber auch der US-Muttergesellschaft Sun Capital zu verdanken.

Die Investmentgesellschaft Sun Capital will V&D nun wohl doch nicht so einfach sterben und in Konkurs gehen lassen. Sie hat sich bereit erklärt, nochmals 60 Millionen Euro in V&D zu investieren. Doch trotz dieser Finanzspritze steckt die traditionsreiche und größte Warenhauskette der Niederlande im Todeskampf. Es ist nicht sicher, dass V&D – das Unternehmen ist in seiner Bedeutung mit Karstadt in Deutschland vergleichbar – überleben wird und den Konkurs vermeiden kann.

Die Amerikaner fordern Gegenleistungen für ihre Investition. Die V&D-Mitarbeiter sollen Gehaltskürzungen von 5,8 Prozent hinnehmen. Und die Vermieter der V&D-Gebäude, in denen das Warenhaus seine Güter und Dienstleistungen anbietet, sollen die Miete um 40 Prozent senken.

Diese Forderungen stoßen auf großen Widerstand. Die V&D-Belegschaft und die Gewerkschaften sind zwar bereit, ein Lohnopfer zu bringen. Aber höher als zwei Prozent soll es nicht liegen. Und die Mitarbeiter verlangen eine Arbeitsplatzgarantie, wenn sie sich mit weniger Geld zufriedengeben sollen.

Vermieter und Immobilienbesitzer der V&D-Warenhäuser halten die Forderung nach einer Mietkürzung von 40 Prozent für „völlig überzogen“. Sie klagen nun gegen V&D. Aber die V&D-Direktion und Sun Capital waren so clever, zumindest einen Teil der Miete für Februar zu überweisen. So ließ sich eine drohende Zwangsräumung der Warenhäuser vermeiden. Bis jetzt.

Ein möglicher Kompromiss sieht so aus: V&D räumt einen Teil seiner Gebäude, um weniger Miete zahlen zu müssen. Aber ob das hilft?

Als Vroom und Dreesmann am Ende des 19. Jahrhunderts in schneller Folge ihre Filialen eröffneten, waren sie höchst erfolgreich. In den neuen Geschäften stellten sie als Direktoren Verwandte ein, die aus dem Emsland nachzogen. Es waren Mitarbeiter ihres Vertrauens.

2007 übernahm Sun Capital die Warenhauskette von der Familie. V&D beschäftigt nach eigenen Angaben 10000 Mitarbeiter. Das Unternehmen erwirtschaftete 2013 einen Nettoverlust von 42 Millionen Euro; der Jahresumsatz lag bei 619 Millionen Euro. V&D ist nicht die einzige Warenhauskette, die heute in der Krise steckt. Weltweiten gibt es eine Kaufhaus-Krise. Das Konzept Warenhaus hat sich überlebt. Vorbei sind die Zeiten, in denen elegante Damen und Herren zum Flanieren und Shoppen in die Warenhäuser gingen.

Überall. In Deutschland existiert Neckermann nicht mehr; Karstadt und Hertie sind Problemfälle. In den USA kränkelt JC Penney und Sears und hat sogar Saks auf der Fifth Avenue Probleme. Auch die französischen Galeries Lafayette. Der Trend geht zu Spezialgeschäften, zu kleineren Shops, die ein von der Produktpalette her tiefes Sortiment haben. Gefragt sind Luxusboutiquen oder Outlet-Stores, wo Markenartikel billiger zu haben sind als in einem Allround-Warenhaus. Exklusivität wird verlangt, Klasse statt Masse.


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