Arbeitsgruppe übergibt Zwischenbericht Grüne Woche: Tierwohl soll messbar werden

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Wie gut geht es dem Schwein? Das soll künftig messbar werden. Foto: dpaWie gut geht es dem Schwein? Das soll künftig messbar werden. Foto: dpa

df Berlin. Die Tierwohl-Offensive der Bundesregierung nimmt Formen an: Am Donnerstag hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) auf der Grünen Woche in Berlin einen Zwischenbericht der Arbeitsgruppe entgegen genommen, die Vorschläge machen soll, wie es Schweinen, Kühen und Geflügel in den Ställen besser gehen kann.

Niedersachsens ehemaliger Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) überreichte den Bericht im Namen der 16-köpfigen Arbeitsgruppe und benannte so gleich erste Schritte: Demnach empfehle das Expertengremium mit Mitgliedern aus allen gesellschaftlichen Bereichen eine Zusammenführung der unterschiedlichen Tierschutzinitiativen. Die Bemühungen sollten unter dem Dach eines gemeinsamen Bund-Länder-Tierschutzplans vereint werden.

 Tierschutz soll messbar werden

Lindemann empfahl zudem: „Tierschutz wird häufig aus dem Bauch heraus betrieben.“ Dies sei aber wenig sinnvoll. Es brauche verlässliche Indikatoren, die das Tierwohl messbar machen. Als Beispiel nannte der Unionspolitiker eine Untersuchung der Fußballen von Masthähnchen in Schlachthöfen. Entzündungen und Verletzungen würden auf schlechte Haltungsbedingungen hindeuten.

 In Niedersachsen bereits umgesetzt

Geflügelhaltern in der Hähnchenhochburg Niedersachsen dürfte das bekannt vorkommen: Hier hatte Agrarminister Christian Meyer (Grüne) per Erlass eine solche Untersuchung  bereits im vergangenen Jahr angeordnet. Ohnehin weist die Initiative auf Bundesebene viele Parallelen zur sogenannten Agrarwende auf, die Meyer in Niedersachsen forciert.

 Vorbild Tierschutzplan?

Diese fußt in weiten Teilen auf dem Tierschutzplan, den Lindemann in seiner Zeit als Landwirtschaftsminister in Niedersachsen auf den Weg gebracht hatte. Anders als Meyer setzt Bundesminister Schmidt aber bei Themen wie Schnabelkürzen bei Legehennen oder das Kupieren der Schweineschwänze zunächst nicht auf Verbote, sondern freiwilligen Einsatz der Wirtschaft zum Stopp der umstrittenen Praktiken.

 

Minister droht Wirtschaft

Eine Einladung zu einem Weiter-So in der Landwirtschaft soll das aber nicht sein. In einer Mitteilung nach der Berichtsübergabe ließ Schmidt wissen: „Wo das Engagement der Wirtschaft nicht zu den notwendigen Verbesserungen führt, kann auch eine Änderung des Rechtsrahmens erforderlich werden.“

Derzeit werden die Eingriffe auf Basis von Ausnahmegenehmigungen durchgeführt. Schmidt erinnerte daran, dass die flächendeckende Praxis allerdings nicht mit geltendem Recht vereinbar sei und deswegen beendet werden müsse.

Warnung vor Kannibalismus

In Niedersachsen sorgt der angeordnete Ausstieg aus dem Schnabelkürzen und Schwänzekupieren für heftige Kritik an der Landesregierung. Bauernvertreter warnen, ohne die Eingriffe drohte Kannibalismus in den Ställen.


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