Boykott von Klassenfahrten Jugendherbergen beklagen 18.000 entfallene Übernachtungen

Die Folgen des Klassenfahrt-Boykotts an niedersächsischen Gymnasien: Die Jugendherbergen im Nordwesten klagen über 18.000 entfallene Übernachtungen. Foto: dpaDie Folgen des Klassenfahrt-Boykotts an niedersächsischen Gymnasien: Die Jugendherbergen im Nordwesten klagen über 18.000 entfallene Übernachtungen. Foto: dpa

Osnabrück. Der Klassenfahrtboykott vieler niedersächsischer Gymnasiallehrer hat die Jugendherbergen im Nordwesten im Jahr 2014 hart getroffen. Auf insgesamt 18.000 gestrichene Übernachtungen kommt der Landesverband Unterweser-Ems. Ihm gehören 32 Häuser und vier Zeltplätze im westlichen Niedersachsen an.

Davon entfallen 10.500 Übernachtungen auf direkte Stornierungen von Klassenfahrten. Weitere 7500 seien gar nicht erst gebucht worden, sagt Oliver Engelhardt, Marketingleiter des Landesverbands, unserer Redaktion. Bereits im Februar hatten die Schulen rund 6500 Übernachtungen storniert. Besonders viele Absagen habe es etwa in Esens, Meppen und auf Borkum gegeben. 2013 kamen die Herbergen im Nordwesten auf insgesamt 736000 Übernachtungen.

Hintergrund des Boykotts von Klassenfahrten ist ein anhaltender Streit um längere Arbeitszeiten für Gymnasiallehrer in Niedersachsen. Seit Beginn des Schuljahres 2014/15 sollen sie wöchentlich eine Stunde mehr unterrichten, insgesamt 24,5 Stunden. An bis zu zwei Drittel der Schulen sei darauf mit dem Aussetzen von Klassenfahrten reagiert worden, sagt Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbands. Er betont jedoch, dass der Verband darauf keinen Einfluss habe: Klassenfahrten seien freiwillig, daher könne sich jeder Lehrer dafür oder dagegen entscheiden. Eine schnelle Lösung sei jedenfalls nicht in Sicht: Im Streit um die Arbeitszeiten ist bislang kein Einlenken des Landes erkennbar.

Für die Jugendherbergen bedeutet das spürbare Einbußen. „Klar haben wir einen finanziellen Schaden“, sagt Engelhardt, „das ist sehr schmerzhaft.“ Ernsthafte Probleme bedeute das für den Landesverband zwar nicht. Dennoch blieb der Ausfall nicht ohne Konsequenzen. In besonders stark betroffenen Jugendherbergen seien Saisonkräfte in diesem Jahr nicht zum Einsatz gekommen. Einige Zeitverträge seien nicht verlängert worden. Entlassungen habe es hingegen nicht gegeben.

Über die Landesgrenzen hinaus scheinen die Auswirkungen des Boykotts zumindest im Bereich der Jugendherbergen begrenzt zu sein. Außerhalb Niedersachsens seien die Folgen „praktisch nicht messbar“, sagt Knut Dinter, Sprecher des Deutschen Jugendherbergswerks.

Wird der Boykott 2015 unverändert fortgesetzt, rechnen die Jugendherbergen im Nordwesten mit deutlichen Nachteilen für ihre Standorte im Binnenland, sagt Verbandsvertreter Engelhardt. Es zeichne sich ein deutlich verändertes Buchungsverhalten ab. Bislang waren die Herbergen an der Küste früh ausgebucht. Wer später kam, musste mit der Klassenfahrt auf andere Standorte ausweichen. Durch die geringere Nachfrage können jetzt auch Nachzügler die Betten an der Nordsee buchen. Dafür bleiben die Herbergen im Hinterland leer. Die betroffenen Häuser versuchten nun, die freien Zimmer etwa durch Seminare und Weiterbildungen von Firmen zu füllen.

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