Entlassungen in Osnabrück, Optimismus im Emsland So wird das Jahr 2015 in der regionalen Wirtschaft

Meine Nachrichten

Um das Thema Wirtschaft Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Demonstration beim Kupferverarbeiter KME in Osnabrück: Die Belegschaft ist wütend über die Ankündigung von 350 Entlassungen. Foto: Michael GründelDemonstration beim Kupferverarbeiter KME in Osnabrück: Die Belegschaft ist wütend über die Ankündigung von 350 Entlassungen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Mehr als 500 Menschen verlieren in Osnabrück im kommenden Jahr ihren Arbeitsplatz. Der Industriestandort steht vor einer Zäsur, allgemein ist die Region jedoch weiterhin gut aufgestellt. Ein Ausblick auf das Jahr 2015.

Zu tiefen Einschnitten kommt es in Osnabrück: Der Kupferverarbeiter KME streicht 350 der 2000 Arbeitsplätze. Rund 100 Menschen verlieren durch das Aus des Wellpappenherstellers Smurfit Kappa Kawell ihre Stelle. Beim Cabriodach-Produzenten Valmet Automotive rückt das Ende der Produktion in Osnabrück näher – hier sind 230 Menschen betroffen.

Ob alle schnell eine neue Beschäftigung finden, ist fraglich. Nachdem der Arbeitsmarkt im Osnabrücker Land 2014 um rund 3000 Stellen zugelegt hat, wird es 2015 laut Arbeitsagentur wohl nur 2185 zusätzliche Arbeitsplätze geben. Dieser Zuwachs entfällt jedoch vor allem auf Dienstleistungen wie das Gesundheitswesen (plus 568 Beschäftigte), Sozialwesen (325) und Heime (152).

Ebenfalls geht es 2015 um die Zukunft des Volkswagen-Werkes Osnabrück. Die Produktion aller Modelle endet in ein bis zwei Jahren: Das Golf Cabriolet braucht einen Nachfolger. Die Porsche-Modelle Boxster und Cayman werden ab Ende 2016 wieder im Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen gebaut. Auch der Porsche Cayenne, der ab Mitte 2015 in Osnabrück montiert wird, kommt nur für ein Gastspiel. Ab 2017 rollt dieses Modell im slowakischen Bratislava vom Band. Bis zum Sommer müsse VW nun Investitionen in die Zukunft anschieben, mahnen Gewerkschafter.

Abseits von diesen Entwicklungen sieht Axel Busch, Hauptgeschäftsführer des Industriellen Arbeitgeberverbands in Osnabrück, jedoch kaum negative Aspekte. „Aus meiner Sicht ist die regionale Wirtschaft in Stadt und Landkreis Osnabrück, dem Emsland und der Grafschaft Bentheim grundsätzlich gut aufgestellt.“ Dies belege auch die geringe Arbeitslosenquote. Sie lag im November mit 5,0 Prozent im Osnabrücker Land und 3,4 Prozent in der Grafschaft Bentheim und dem Emsland unter dem Landesschnitt von 6,1 Prozent. „Natürlich gibt es auch einzelne Unternehmen, die trotz der allgemeinen guten Entwicklung mit der Notwendigkeit von Personalabbau konfrontiert werden“, sagt Busch.

Eine gute Entwicklung erwartet der emsländische Unternehmer Bernard Krone für seine Nutzfahrzeug- und Landmaschinenfabrik. „Sowohl im Nutzfahrzeug- als auch im Landtechnikbereich ist es unser Ziel, vorhandene Märkte nachhaltig zu steigern“, sagt er. Dafür sieht er die Werke in Spelle und Werlte bestens gerüstet. Krone gibt sich „zuversichtlich, dass wir 2015 ein moderates Umsatzwachstum erreichen können.“ Für die ganze Branche erwartet der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) 2015 ein weiteres Wachstum der Produktion um zwei Prozent.

Weitere Arbeitsplätze dürften auch bei der Elektrotechnik-Größe Harting in Espelkamp entstehen. Der Mittelständler will 2015 mehr als 40 Millionen Euro investieren und wird dabei wohl erneut mehr als 100 Arbeitsplätze schaffen.

In die Zukunft investiert auch der Wintergarten-Spezialist Solarlux in Melle: Mit dem Bau der neuen Firmenzentrale will das Unternehmen Maßstäbe für moderne Arbeitsplätze setzen.

Ob es 2015 auch für Arbeitnehmer mehr Geld gibt, zeichnet sich gleich zum Jahresauftakt ab. Dann beginnen die Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie. In der Region Osnabrück-Emsland sind davon 17.000 Tarifbeschäftigte betroffen. Die Gewerkschaft IG Metall fordert 5,5 Prozent mehr Geld.

Zudem gilt ab 1. Januar 2015 der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro. Ob sich tatsächlich alle daran halten werden, ist laut DGB-Regionsvorsitzender Petra Tiesmeyer fraglich. Sie erwartet großes Konfliktpotenzial – vor allem in Unternehmen ohne Betriebsrat. „Es kommt jetzt darauf an, effektive Kontrollmechanismen zu entwickeln“, sagt sie. „Ohne Kontrolle wird das nicht funktionieren.“ Hier seien auch die Jobcenter in der Pflicht: Sie dürften niemanden in Arbeitsgelegenheiten vermitteln, in denen der Mindestlohn offensichtlich unterlaufen werde.

Angesichts von ersten Konjunkturdämpfern seien Mindestlohn und Rente mit 63 ein „falsches Signal“, warnt Marco Graf, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer: „Zwar ist die Lage in unserer Region noch insgesamt gut, allerdings schwächt sich die Dynamik messbar ab. Es wäre deshalb wichtig gewesen, dass die Politik die Warnsignale vom Arbeitsmarkt frühzeitig gehört hätte“, sagt er. Es sei jedoch das Gegenteil geschehen.

Weitere Wirtschaftsnachrichten aus der Region Osnabrück-Emsland unter www.noz.de/regionale-wirtschaft


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN