Botschafter bei IHK in Osnabrück Portugals steiniger Weg aus der Krise

Portugals Botschafter Luís de Almeida Sampaio referiert über den Weg seines Landes aus der Krise. Foto: Egmont SeilerPortugals Botschafter Luís de Almeida Sampaio referiert über den Weg seines Landes aus der Krise. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Im Mai hat Portugal den EU-Rettungsschirm verlassen – und steht seitdem dennoch nicht im Regen. Das berichtete Portugals Botschafter Luís de Almeida Sampaio den Mitgliedern der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Osnabrück. Nach Jahren der Rezession wächst die Wirtschaft des einstigen EU-Sorgenkindes wieder und die Arbeitslosigkeit sinkt. Doch war es ein langer, manchmal schmerzhafter Wandel, dem sich das Land bis dahin unterziehen musste.

„Die EU wird sich nicht weiterentwickeln, wenn es nicht auf Erfolgsgeschichten gibt“, sagte Sampaio. Und als eine solche wollte er die Entwicklung seines Landes verstanden wissen. Tatsächlich habe sich das Land durch die Krise fasst komplett umgekrempelt: 450 Reformen in nahezu allen Bereichen, vom Gesundheitssektor über das Justizwesen bis hin zur Regulierung der Finanzmärkte seien durchgeführt worden, erklärte der Botschafter den IHK-Mitgliedern beim „Mittagsgespräch“ zum Thema „Portugal – Zurück zum Wachstum“ in Osnabrück.

„Anders als andere Krisenländer haben wir uns nie gegen das EU-Rettungsprogramm gesperrt, sondern es als große Chance begriffen“, sagte Sampaio. Dennoch hätte auch die Bevölkerung die Eingriffe teilweise schmerzhaft zu spüren bekommen. Doch zeige sich mittlerweile der Erfolg der Reformen: Die Arbeitslosenquote, die vor zwei Jahren noch die 20 Prozent-Marke zu knacken drohte, liegt derzeit bei knapp 15 Prozent. Immer noch hoch ist allerdings die Jugendarbeitslosigkeit mit über 30 Prozent. „Das ist wirklich ein Drama“, sagte der portugiesische Botschafter. „Das tragische ist: Das ist die qualifizierteste Generation, die wir je hatten.“ In diesem Bereich habe Portugal noch viel Arbeit vor sich, sagte Sampaio.

In der Gesamtschau aber zeige sich ein erfreuliches Bild : Die Neuverschuldung wurde von einst fast zehn auf vier Prozent der Wirtschaftsleistung gedrückt. Nach einem Jahrzehnt der Stagnation und Rezession werde die Wirtschaft im laufenden Jahr um 1 Prozent wachsen , für das kommende Jahr wird ein Plus 1,5 Prozent erwartet.

Daran hätten auch Unternehmen aus Deutschland ihren Anteil – allen voran Volkswagen. Der Autobauer ist auf Platz 1 der portugiesischen Exporteure, in den Top-Ten sind daneben mit Bosch und Continental insgesamt drei deutsche Unternehmen. Mit Investitionen von mehr als 720 Millionen Euro im Zeitraum 2013 bis Mitte 2014 habe VW auch den Löwenanteil der ausländischen Investitionen von insgesamt 1,1 Milliarden Euro geleistet.

Doch könnten durchaus noch mehr ausländische Unternehmen in Portugal investieren – aus dem Einflussgebiet der IHK Osnabrück-Emsland-Graschaft Bentheim täten dies auch bereits 170 Firmen , sagte IHK-Vizepräsident Axel Mauersberger in seiner Begrüßungsrede. Er betonte, es gebe die enge Bindung zwischen Deutschland und Portugal – nicht nur, weil die Bundesrepublik der zweitwichtigste Handelspartner ist. Sondern auch, weil Deutschland nach der Nelkenrevolution 1974 beim Aufbau demokratischer Strukturen geholfen und den Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft 1986 gefördert habe.