Wirtschaftliche Schieflage Gausepohl-Rindfleischsparte stellt Insolvenzantrag

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Die Gausepohl Qualitätsfleisch GmbH & Co. KG ist zahlungsunfähig: Dem Rinder-Schlachtbetrieb mit Sitz in Dissen hat Insolvenzantrag gestellt. Foto: Gert WestdörpDie Gausepohl Qualitätsfleisch GmbH & Co. KG ist zahlungsunfähig: Dem Rinder-Schlachtbetrieb mit Sitz in Dissen hat Insolvenzantrag gestellt. Foto: Gert Westdörp

Dissen. Die Rindfleischsparte des Dissener Schlachtunternehmens Gausepohl ist zahlungsunfähig: Die Gausepohl Qualitätsfleisch GmbH & Co. KG hat am Dienstag Insolvenzantrag gestellt, wie das Amtsgericht Osnabrück unserer Redaktion bestätigte.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter ist der Bremer Rechtsanwalt Malte Köster ernannt worden. „Aus heutiger Sicht bestehen durchaus Chancen für eine nachhaltige Betriebsfortführung“, sagte er. „Optimistisch stimmt mich, dass mir bereits jetzt erste Interessensbekundungen von potenziellen Investoren bekannt geworden sind.“ Der Betrieb werde zunächst fortgesetzt.

Die Rindfleischsparte von Gausepohl zählt 75 Mitarbeiter. Hinzu kommen weitere 150 Beschäftigte im Rahmen von Werkverträgen. Das Unternehmen ist mit einem Umsatz von rund 150 Millionen Euro und etwa 255.000 verarbeiteten Tieren im Jahr 2013 die Nummer fünf unter den deutschen Rinderschlachtern. Neben dem Firmensitz in Dissen betreibt die Sparte einen weiteren Standort in Bakum bei Vechta.

Erst am Freitag waren Übernahmeverhandlungen mit dem Fleischkonzern Tönnies geplatzt: Die Branchengröße aus Rheda-Wiedenbrück (Ostwestfalen-Lippe) wollte sich den Mittelständler einverleiben und sanieren. Tönnies-Verhandlungsführer Frank Duffe sagte nach dem Scheitern der Gespräche: „Wir haben intensiv an einer Rettung gearbeitet. Aber es haben sich im Laufe der Gespräche zunehmend Hemmnisse gezeigt, die uns letztlich dazu gebracht haben, die Übernahme nicht zu realisieren.“

Der Insolvenzantrag sei nach ergebnislosen Übernahmeverhandlungen unvermeidbar gewesen, sagte Yvonne Gausepohl, geschäftsführende Gesellschafterin. „Wir haben lange und sehr intensiv darum gekämpft, einen Insolvenzantrag zu vermeiden.“

Gausepohl steht unter hohem Konkurrenzdruck, die wirtschaftliche Lage in der Branche ist angespannt. Zuletzt hätten eine unerwartet schwache Hauptsaison und Importsperren für den russischen Markt zu der finanziellen Schieflage beigetragen, teilte Insolvenzverwalter Köster mit. Erst im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen seinen fest angestellten Schlachtern gekündigt, weil diese Lohnkürzungen nicht hinnehmen wollten.

Dissens Bürgermeister Hartmut Nümann bedauert, dass Gausepohl in diese Schieflage geraten ist. „Eine Übernahme des Standorts samt Personal durch Tönnies wäre die beste Lösung gewesen“, sagte er. Es sei „sehr bedauerlich“, dass dieses Modell gescheitert ist.

Nicht von der Insolvenz betroffen sind weitere Unternehmen der Familie Gausepohl. Das sind unter anderem die eigenständige Schweinefleischsparte, die Gausepohl Fleisch Deutschland GmbH, und die Thüringer Fleisch- und Wurstspezialitäten Rainer Wagner GmbH.

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