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Belegschaft geschockt Osnabrück: Kupferverarbeiter KME entlässt 350 Mitarbeiter

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Osnabrück. Der Osnabrücker Kupferverarbeiter KME steht vor einem drastischen Einschnitt. Die Kupferrohr-Fertigung wird geschlossen, 350 Mitarbeiter entlassen. Am Vormittag wurde die Belegschaft über die Pläne informiert, anschließend zogen rund 1000 Beschäftigte mit einem Protestmarsch um das Werksgelände.

Die Rohrproduktion mit ihren 170 Arbeitsplätzen wird nach Informationen unserer Redaktion in Osnabrück geschlossen und in das KME-Werk in Menden im Sauerland verlegt. Dort will das Unternehmen im Gegenzug 40 neue Stellen schaffen. Weitere 180 Stellen entfallen „zur Wiedererreichung der Wettbewerbsfähigkeit“, wie die Geschäftsführung mitteilte.

Die Stellenstreichungen werden als „angemessene Reaktion zur Sicherung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit“ bezeichnet – seit der Finanzkrise 2008 sei der Kupfermarkt in Europa stark rückläufig und die Ertragslage angespannt. „Um den Standort Osnabrück als notwendigen Kern der Gruppe zu erhalten sind die sicherlich schwierigen Einschnitte unverzichtbar“, sagte Ulrich Becker, Vorsitzender der Geschäftsführung von KME Germany.

Schwere Vorwürfe

Die Gewerkschaft IG Metall erhebt angesichts der großen Zahl an Mitarbeitern, die ihren Arbeitsplatz in Osnabrück verlieren, schwere Vorwürfe gegen den Kupferverarbeiter. „Die geplanten Entlassungen sind eindeutig auf Managementfehler zurückzuführen“, sagte Hartmut Meine, IG Metall-Bezirksleiter für Niedersachsen und Aufsichtsratsmitglied bei KME.

Das Management des italienischen Eigners, der Intek-Gruppe, habe Entwicklungen auf dem Kupfermarkt verschlafen, klagt Meine. „Die Osnabrücker Belegschaft soll das jetzt ausbaden und wird darüber kurz vor den Weihnachtsfeiertagen rücksichtslos informiert.“ Die am Donnerstag angekündigten Entlassungen und das Aus für die Rohrfertigung am Standort Osnabrück bezeichnete der Gewerkschafter als „vollkommen unausgegorenen Aktionismus.“

Nach der Betriebsversammlung ist die Stimmung unter den Mitarbeitern am Boden. „Wir alle sind geschockt, die betroffenen Kollegen kämpfen mit den Tränen“, erzählt ein Fräser. Er selbst ist von den Streichungen zunächst wohl nicht betroffen, dennoch aber nicht optimistisch: „Wir alle wissen, dass es nicht das letzte ist, was uns droht.“

Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert reagierte betroffen. „Ich hoffe, dass sich das Osnabrücker Traditionsunternehmen KME der Verantwortung bewusst ist, was dieser gravierende Einschnitt für das Leben der Mitarbeiter, deren Familien und nicht zuletzt auch für den Osnabrücker Wirtschaftsstandort bedeutet“, sagte er. Griesert erneuerte sein Angebot für „weitestgehende Unterstützung“ der Stadt, der Wirtschaftsförderung und der Arbeitsagentur an KME, um Auswirkungen der Restrukturierung abzumildern. „Ich hoffe sehr, dass für die Mitarbeiter und den Standort insgesamt eine gute Lösung gefunden wird.“

Wichtiger Arbeitgeber für die Region

Über Kürzungspläne bei KME war bereits seit einem Jahr diskutiert worden. Im November 2013 war von genau jenen 350 Stellen die Rede, die nun tatsächlich gestrichen werden sollen. Zwischenzeitlich schob das Management den Stellenabbau wegen einer guten Auftragslage auf. Im Juli sprach die Geschäftsleitung schließlich von 140 entfallenden Arbeitsplätzen. Insgesamt 2000 Mitarbeiter arbeiten bei KME in Osnabrück. Das Unternehmen gilt damit als einer der wichtigsten industriellen Arbeitgeber.

Widerstand gegen die Pläne

Erst im September gab es einen Wechsel an der Spitze des Kupferverarbeiters. Egon Mackowiak, ehemals Vorsitzender der Geschäftsleitung, wurde von Ulrich Becker abgelöst, gehört dem Gremium aber weiterhin an. Arbeitsdirektor Hans-Joachim Scheja hat das Unternehmen nach 30-jähriger Tätigkeit krankheitsbedingt verlassen.

Noch in diesem Jahr sollen Verhandlungen über einen Sozialplan und Interessenausgleich beginnen. Bis Mitte 2015 soll der Arbeitsplatz-Abbau laut Geschäftsleitung vollzogen sein.

Peter Spiekermann, Bevollmächtigter der IG Metall in Osnabrück, kündigte Widerstand gegen die Entlassungspläne an. „Wir werden es nicht hinnehmen, dass eine ganze Belegschaft zum Spielball von Fehlentscheidungen wird, die hoch bezahlte Manager zu verantworten haben“, sagte er. Gut 85 Prozent der Beschäftigten seien Mitglieder der IG Metall. „Das gibt uns in der aktuellen Auseinandersetzung mächtigen Rückenwind.“ Die Gewerkschaft kündigte nach dem Protestmarsch am Donnerstag weitere Aktionen für die kommenden Wochen und Monate an.


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