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Betrieb in 89 Filialen eingestellt Burger King trennt sich von größtem Franchisenehmer

Von Constantin Binder

Keine Burger mehr: 89 Burger-King-Filialen müssen den Betrieb umgehend einstellen, bis ein neuer Franchisenehmer gefunden ist. Foto: dpaKeine Burger mehr: 89 Burger-King-Filialen müssen den Betrieb umgehend einstellen, bis ein neuer Franchisenehmer gefunden ist. Foto: dpa

Osnabrück. Die Fast-Food-Kette Burger King trennt sich mit sofortiger Wirkung von ihrem größten Franchisenehmer, der Yi-Ko Holding. Als Grund gab das Unternehmen am Mittwoch an, Yi-Ko habe sich „wiederholt nicht an die vertraglich vereinbarten Arbeitsbedingungen für ihre 3000 Restaurant-Mitarbeiter gehalten“. Die Kündigung betrifft 89 Restaurants, die im Besitz der Yi-Ko sind und von ihr betrieben wurden. Sie müssen jetzt sofort geschlossen werden.

Yi-Ko war im April in die Schlagzeilen geraten, als die RTL-Sendung „Team Wallraff – Reporter Undercover“ schwere Hygienemängel in von Yi-Ko betriebenen Filialen aufdeckte. Ein eingeschleuster Reporter hatte unter anderem dokumentiert, dass dort Lebensmittel mit abgelaufenem Verfallsdatum verarbeitet würden. Sechs Restaurants wurden daraufhin vorübergehend geschlossen, der damalige Geschäftsführer der Yi-Ko Holding, Ergün Yildiz, trat zurück.

Gefeuerter Geschäftsführer nahm weiterhin Einfluss

Dass sich Burger King nun komplett von Yo-Ki trennt, hängt dem Unternehmen zufolge aber nicht direkt mit den Hygienemängeln zusammen – diese seien unmittelbar nach Bekanntwerden mit einem „umfassenden Maßnahmenplan“ behoben worden. Vielmehr habe Burger King „trotz der anfänglichen Erfolge“ feststellen müssen, dass die Yi-Ko erneut gegen die getroffenen Vereinbarungen verstieß. „Dies beinhaltete unter anderem, dass der ehemalige Geschäftsführer der Yi-Ko fortwährend Einfluss auf das Tagesgeschäft nahm, dass wiederholt gegen Arbeitsverträge verstoßen wurde und dass die Schichten der Restaurants unterbesetzt waren“, heißt es in der Pressemitteilung, die die Fast-Food-Kette am Mittwoch veröffentlichte.

Urlaubsgelder und Zuschläge einbehalten

„Die Kündigung stellt für uns nur den letzten Schritt dar“, sagte Andreas Bork, Geschäftsführer von Burger King Deutschland, der Mitteilung zufolge. „Leider mussten wir aufgrund der wiederholten Verstöße der Yi-Ko gegen operative und arbeitsrechtliche Standards sowie der daraus resultierenden Rufschädigung feststellen, dass die Yi-Ko kein Teil der Burger-King-Gemeinschaft bleiben kann.“ In einem Gespräch mit „Bild online“ erläuterte Bork, die Yi-Ko habe etwa Urlaubsgelder und Zuschläge einbehalten und im Krankheitsfall Gehälter erst verspätet ausgezahlt.

Mit der Kündigung müssten die Filialen umfirmieren, sie werden künftig nicht mehr von Burger King beliefert. Ob und wie viele Restaurants dauerhaft schließen müssen, war zunächst nicht absehbar. Zur Frage, ob auch ein neuer Partner für die betroffenen Standorte infrage kommen könnte, äußerte sich das Unternehmen zunächst nicht. Komme der Franchise-Nehmer den Forderungen nicht nach, werde man gerichtliche Hilfe in Anspruch nehmen, sagte eine Burger-King-Sprecherin „Focus Online“.

Yi-Ko wehrt sich

Doch Yi-Ko will erst einmal nicht klein beigeben: Die Restaurants sollten weiter geöffnet bleiben, solange Ware vorhanden sei, lässt Interims-Geschäftsführer Dieter Stummel wissen. Das „Handelsblatt“ zitierte Stummel, er wolle mit einer einstweiligen Verfügung vor Gericht erreichen, dass die Restaurants vorerst weitermachen könnten. Sollten die Filialen nicht mehr öffnen können, wäre die Insolvenz des Unternehmens die Folge.

Damit stehen die rund 3000 betroffenen Beschäftigten zunächst vor einer ungewissen Zukunft. „Das ist natürlich jetzt eine sehr schwierige Krise für dieses Unternehmen“, sagte Guido Zeitler, Referatsleiter für das Gastgewerbe bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), am Mittwoch. „Wir brauchen ganz schnell Klarheit, wie es mit den einzelnen Restaurants weitergeht, damit die Beschäftigten die Klarheit haben, bei wem sie morgen, übermorgen und überübermorgen noch arbeiten“, forderte er. Theoretisch sei es zwar denkbar, dass eine neue Burger-Kette gegründet werde – aber das sei nicht von heute auf morgen machbar. Zugleich liefen Kosten wie Pachten und Gehälter weiter. Die NGG erwarte nun, dass Burger King den Beschäftigten zur Seite stehe.

Region Osnabrück/Emsland nicht betroffen

Die übrigen 599 Burger-King-Restaurants in Deutschland sollen ihren Betrieb wie gewohnt fortsetzen. Die 89 von Yi-Ko betriebenen Filialen liegen größtenteils in Nordrhein-Westfalen; Niedersachsen und somit die Region Osnabrück/Emsland sind von der Trennung nicht betroffen.

(Mit dpa)


Burger King – weltweit zweitgrößte Fast-Food-Kette

Burger King ist die weltweit zweitgrößte Fast-Food-Kette hinter McDonald’s. Das 60 Jahre alte Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben mehr als 14.000 Restaurants und bedient täglich über elf Millionen Gäste in 100 Ländern. Fast alle Burger-King-Filialen werden von unabhängigen Lizenznehmern in einem sogenannten Franchise-System geführt. In Deutschland gehörten bisher rund 700 Restaurants mit insgesamt 25.000 Beschäftigten dazu. Im dritten Quartal erwirtschaftete das US-Unternehmen nur ein kleines Umsatzplus um 1,4 Prozent auf 279 Millionen Dollar (223 Mio Euro). Sonderkosten wegen der Übernahme der kanadischen Kaffee- und Donut-Kette Tim Hortons sorgten zudem für einen Quartalsverlust von 23,5 Millionen Dollar, nach 68,2 Millionen Dollar Gewinn im Vorjahr.