Analystin: Mittelfristig ein Problem Droht Schokoladen-Engpass? Hersteller beklagen Kakao-Mangel

Von Karsten Frei

Droht ein Schokoladenmangel? Foto: ColourboxDroht ein Schokoladenmangel? Foto: Colourbox

Osnabrück. Droht Schokolade zum Luxusgut zu werden? Mit dieser vorweihnachtlichen Schreckensmeldung haben die weltweit größten Schokoladen-Produzenten, Mars und die Schweizer Barry Callebaut AG, vor einem Rohstoffengpass bei Kakao gewarnt. Es werde mehr Schokolade gegessen, als produziert werden könne.

Das berichtet die „Washington Post“. Laut der US-amerikanischen Tageszeitung könnte bis zum Jahr 2020 die Nachfrage nach Kakaobohnen das Angebot um mehr als eine Millionen Tonnen übersteigen.

Die Folge: Preissteigerungen auf dem Rohstoffmarkt und steigende Herstellungskosten, die schlussendlich auch die Verbraucher treffen könnten, sagt Ritter-Sport-Sprecherin Petra Fix. Zwar stünde es aktuell nicht zur Debatte, doch „das Thema Preiserhöhungen ist bei einer Rohstoffverteuerung nicht von der Hand zu weisen.“ Allerdings sei die Verknappung alles andere als neu, so die Sprecherin des mittelständischen Schokoladenherstellers aus Waldenbuch (Baden-Württemberg). Weil immer mehr Menschen in den asiatischen Schwellenländern in die Mittelschicht aufsteigen, steigt weltweit die Nachfrage. Das geht aus einer im April veröffentlichten Marktanalyse der internationalen Kakao-Organisation ICCO hervor. Kopfzerbrechen bereitet den Herstellern nicht nur, dass der Verbrauch vor allem in Asien schneller steigt, als die Produzenten Schritt halten können. Sondern auch, dass der enge Markt generell empfindlich ist. „Der Kakao-Markt ist verhältnismäßig überschaubar. Somit ist man deutlich abhängiger von Rohstoff-Spekulationen, aber auch von tausend anderen Faktoren.“ Doch nicht nur Dürren, Schädlinge oder Krankheiten sind eine Bedrohung, sondern auch politische oder humanitäre Krisen.

Ebola lässt Preise steigen

Im September 2014 war der Preis für Kakaobohnen auf ein Jahreshoch von 2734 Euro pro Tonne geschnellt. Ein Grund: Ebola. Weil laut der internationalen Kakao-Organisation ICCO fast drei Viertel weltweiten Kakao-Ernte aus Westafrika stammt, ließ die Sorge vor der Krankheit die Preise klettern, sagt Michaela Kuhl, Analystin für Agrarrohstoffe bei der Commerzbank AG. Als sich bei Beginn der Ernte im Oktober zeigte, dass diese in den Hauptproduktionsländern Elfenbeinküste und Ghana wider Erwarten gut ausfallen und von der Ebola-Krise nicht beeinträchtigt wird, purzelten die Preise wieder, auf aktuell 2372 Euro.

Und 2010 erschütterte der Hedgefondsmanager Anthony Ward den Markt. Der seitdem „Choc-Finger“ – angelehnt an einen James-Bond-Schurken – genannte Händler kaufte für eine Milliarde Dollar fast sieben Prozent der weltweiten Ernte, um sie später teurer weiterzuverkaufen. Nie war der Kakaopreis höher als 2010. „So etwas kann man nur in einem Markt machen, in dem es sehr eng zugeht“, sagt Kuhl.

Doch abgesehen von diesen „Ausreißern“, gebe es durchaus ein grundlegendes strukturelles Angebotsproblem bei Kakao, sagt die Analystin. Die wiederholt geäußerten Warnungen der Hersteller seien „mittelfristig“ berechtigt. Mittelfristig heiße aber auch, dass kurzfristig Lösungen gefunden werden müssen. Kakaopflanzen wachsen langsam und sind empfindlich. Die westafrikanischen Kleinbauern, die laut ICCO 90 Prozent der Ernte erzeugen, brauchen finanzielle Anreize. Laut Kuhl profitieren sie kaum von den hohen Handelspreisen. Und setzen daher vermehrt auf Palmöl oder Mais .