Niedrige Energiekosten Ökonom: USA werden zum Top-Markt für deutsche Unternehmen

Von Christian Schaudwet

Der Landmaschinenhersteller Grimme macht 85 Prozent seines Umsatzes im Ausland. 2003 kaufte er einen Produzenten in den USA. Foto: Gert WestdörpDer Landmaschinenhersteller Grimme macht 85 Prozent seines Umsatzes im Ausland. 2003 kaufte er einen Produzenten in den USA. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Die USA entwickeln sich zum spannendsten Markt für deutsche Unternehmen auf Internationalisierungskurs, während Deutschland an Attraktivität verliert. Diese These vertrat der Osnabrücker Wirtschaftswissenschaftler Peter Seppelfricke beim „Finanztag 2014“ der Hochschule Osnabrück.

Chancen bestünden in den Vereinigten Staaten auch für die im Nordwesten Deutschlands regionaltypischen mittelständischen Unternehmen, sagte der Professor für Finanzwirtschaft und Finanzdienstleistungen. „Deutschland wird absehbar nicht mehr der attraktivste Standort sein“, führte Seppelfricke aus. Im Vergleich zu Asien, besonders aber zu den USA weise der Markt des Heimatlandes deutliche Einschränkungen auf.

Der Ökonom verwies während des Symposiums an der Hochschule auf Energiekosten in den USA, die dank der Erschließung von Schiefergas und -öl wesentlich niedriger seien als in Europa. Ebenso auf Produktionskosten, die im Gesamtdurchschnitt nur noch vier Prozent über den chinesischen lägen, und auf eine höhere Innovationskraft. „Geringe Regulierung und gute Finanzierungsmöglichkeiten schaffen außerdem ein besseres Gründungsklima als in Deutschland“, ergänzte Seppelfricke.

Die Anforderungen der Internationalisierung an einen mittelständischen Familienbetrieb sind allerdings hoch. Einen Einblick in die Praxis gab der Landmaschinenhersteller Grimme aus Damme im Landkreis Vechta. Er übernahm im Jahr 2003 den amerikanischen Hersteller Spudnik, um nach vielen Fehlversuchen auf dem US-Markt Fuß fassen zu können. Jens Walter, Mitglied der Grimme-Geschäftsführung, hob hervor, besonders der rasche Personalaufbau im In- und Ausland, die Schulung der neuen Mitarbeiter, die Führungskräfteentwicklung und die Anpassung der Organisationsstruktur hätten Grimme vor große Herausforderungen gestellt.

Das Unternehmen ist Weltmarktführer bei Kartoffelerntetechnik und macht 85 Prozent seines Umsatzes im Ausland. Zwischen 1995 und heute wuchs seine Belegschaft von 320 auf 2200 Mitarbeiter. Grimmes Umsatz stieg im selben Zeitraum von 40 Millionen Euro auf 400 Millionen Euro.

Zur Internationalisierung gehören für Grimme aber auch Rückschläge. In Russland ist der Absatz eingebrochen , dort hat die Rubel-Abwertung im Zuge der Ukraine-Krise dazu geführt, dass Grimme-Maschinen um 40 Prozent teuerer wurden.

Weitere Berichte aus der regionalen Wirtschaft: http://www.noz.de/deutschland-welt/wirtschaft/regionale-wirtschaft