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14.11.2014, 12:08 Uhr DEA-VERKAUF AUF DER KIPPE

RWE kann nur auf Frieden in der Ukraine hoffen

Kommentar von Christian Schaudwet

Förderplattform der RWE-Tochter Dea in der Ostsee. Der Konzern will das Unternehmen an eine russische Investorengruppe veräußern, um seine Schuldenlast zu mindern. Foto: dpaFörderplattform der RWE-Tochter Dea in der Ostsee. Der Konzern will das Unternehmen an eine russische Investorengruppe veräußern, um seine Schuldenlast zu mindern. Foto: dpa

Osnabrück. Der hoch verschuldete Energiekonzern RWE muss weiter um den milliardenschweren Verkauf seiner Öl- und Gastochter Dea an russische Investoren bangen, der eigentlich bis Ende 2014 über die Bühne gehen sollte. Ein Scheitern wäre für RWE ein schwerer Schlag. Der Schlüssel zu einer Lösung liegt in der Ostukraine.

Die Entscheidung der RWE -Spitze, ihre attraktive Tochter Dea zu verkaufen, um sich selbst zu retten, liegt lange zurück. Sie fiel in einer Ära, auf die deutsche und russische Unternehmen derzeit mit Wehmut zurückblicken.

Seit Beginn der Ukrainekrise und des neuen Ost-West-Konflikts ist es politisch noch pikanter geworden, eines der letzten deutschen Unternehmen in der internationalen Öl- und Gasförderung an russische Investoren zu veräußern.

Zumal auch strategische Energie-Infrastruktur im Inland bereits zum Teil in russischen Händen liegt: An wichtigen Erdgasspeichern in Niedersachsen und an Teilen des deutschen Gasvertriebsnetzes ist der russische Energiekonzern Gazprom beteiligt.

RWE hätte sich anders entscheiden können – auch die BASF-Tochter Wintershall und die ungarische MOL hatten Interesse an Dea. Sie sollen aber deutlich weniger geboten haben als die Investmentgruppe Letter One um den Oligarchen Michail Fridman.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte Bedenken gegen den Dea-Deal im Frühjahr noch unwirsch beiseitegefegt. Dann aber begann sein Ministerium zu prüfen, ob die Transaktion die strategischen Interessen Deutschlands verletzen könnte.

Bitteres Fazit für RWE: Auch für ein Unternehmen in höchster Bedrängnis gilt das Primat der Politik. Der Dea-Verkauf steht und fällt mit der Entscheidung über Krieg oder Frieden in der Ostukraine.