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Gefahr von Erregern Gaststättenverband: Fleischindustrie wird zum Risiko für Gastronomie

Von Christian Schaudwet

Ein Lebensmittelkontrolleur überprüft die Temperatur einer Portion Hähnchen. Gstronomen fürchten eine zunehmende Gefahr durch erregerbelastetes Fleisch in ihren Küchen. Foto: dpaEin Lebensmittelkontrolleur überprüft die Temperatur einer Portion Hähnchen. Gstronomen fürchten eine zunehmende Gefahr durch erregerbelastetes Fleisch in ihren Küchen. Foto: dpa

Osnabrück/Berlin. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) im Raum Osnabrück-Emsland warnt vor Gefahr für die Gastronomie durch Keime aus der industriellen Tierhaltung. In Berlin weist Bundeskanzlerin Angela Merkel Forderungen des Verbandes nach einem reduzierten Mehrwertsteuersatz zurück.

Die industrielle, dicht gedrängte Haltung von Geflügel und Schweinen und die Verabreichung von Medikamenten steigere für Gastronomen das Risiko, mit eingekauftem Fleisch und Eiern Salmonellen oder antibiotikaresistente Erreger in ihre Küchen zu bekommen, sagt der für Osnabrück, das Emsland und die Grafschaft Bentheim zuständige Dehoga-Geschäftsführer Dieter Westerkamp. „Dadurch brechen Gastronomen wichtige Produktschienen weg.“

Denn viele Köche, so Westerkamp, wagten es beispielsweise nicht mehr, Sauce hollandaise aus frischen Eiern zuzubereiten – aus Furcht, diese könnten durch Krankheitserreger belastet sein. Um sicherzugehen, müssten Gastronomen auch auf Gerichte verzichten, bei denen Schweine- oder Geflügelfleisch nicht vollständig durchgegart werde. „Das bedeutet unter anderem: keine rosa gebratene Entenbrust mehr“, so Westerkamp. Dasselbe gelte für Schweinelende-Gerichte.

Zwar gebe es keine Vorschrift, die die Zubereitung solcher Gerichte verbiete, doch zwängen „unsittliche und unästhetische Produktionsmethoden“ in der industriellen Tierhaltung die Wirte zu diesem Schritt, denn: „Wenn ein Gast erkrankt oder die Feststellung eines Erregers in der Küche bekannt wird, kann der Gastronom seinen Betrieb schließen“, sagt der regionale Dehoga-Chef.

Um die Gefahr zu verringern, entscheiden sich nach Westerkamps Beobachtung immer mehr Gastwirte gegen Fleisch aus Massenproduktion und kaufen möglichst nur noch bei regionalen, ihnen persönlich bekannten Herstellern. Häufig seien dies zugleich Bio-Produzenten.

Kleine Hotel- und Gaststättenbetriebe in der Region, die den Großteil der rund 800 Dehoga-Mitglieder in der Region stellen, geraten aus unterschiedlichen Gründen unter Druck. Eine ab dem 13. Dezember gültige EU-Verordnung wird Gastronomen verpflichten, ihre Gäste über mögliche Allergene in ihren Nahrungsmitteln aufzuklären. Dehoga-Regionalchef Westerkamp befürchtet dadurch insbesondere einen hohen Dokumentationsaufwand für die Betriebe.

Gaststätten auf dem Land schließen, weil sie aufgrund veränderter Lebensgewohnheiten weniger Zulauf haben. In Belm bei Osnabrück etwa sind der Dehoga zufolge von den 13 Betrieben, die dort vor 15 Jahren existierten, noch drei übrig. In Osnabrück bekommen familiengeführte Hotels derzeit starke Konkurrenz durch vier neue von großen Ketten betriebene Hotels .

In Berlin hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterdessen Forderungen des Gastgewerbes nach einem reduzierten Mehrwertsteuersatz in Restaurants eine Absage erteilt. „Ich kann Ihnen das Angebot nicht in Aussicht stellen“, sagte Merkel am Dienstag auf dem Branchentag des Dehoga. Es gebe rationale Argumente dafür, auch angesichts der Wettbewerbslage in Europa. Steuersenkungen seien aber auch mit Einnahmeverlusten verbunden. Die Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns auf dem Arbeitsmarkt würden genau beoabchtet: „Er darf kein Jobkiller werden.“

Dehoga-Präsident Ernst Fischer forderte auch für Speisen im Gastgewerbe wie bei Lebensmitteln einen reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Er kritisierte Reglementierungen bei der Arbeitszeit und den gesetzlichen Mindestlohn. Die Arbeitszeit müsse an die Lebenswirklichkeit angepasst werden. Die Reduzierung auf zehn Stunden sei praxisfern.(Mit dpa)

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