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06.11.2014, 19:43 Uhr SCHULDNERATLAS 2014

Steigende Verschuldung: Es ist etwas faul

Kommentar von Christian Schaudwet

Niedriglohnjobs wie teils in der Gebäudereinigungsbranche reichen oft nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Foto: dpaNiedriglohnjobs wie teils in der Gebäudereinigungsbranche reichen oft nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Foto: dpa

Osnabrück. In Zeiten niedriger Arbeitslosigkeit rutschen in der wirtschaftlich starken Region Osnabrück-Emsland immer mehr Menschen tief in die Privatverschuldung. Wie kann das sein?

Für den neuen Fernseher 500 Euro auf Pump, 1000 für die neue Sofaecke – für Kleinkredite muss sich ein Kreditnehmer nicht einmal mehr zur Bank bemühen. Er bekommt sie bequem gleich beim Händler.

Wenn die Überschuldung in einer wirtschaftlich kraftstrotzenden Gegend bei hoher Beschäftigung unbeirrbar steigt , dann ist etwas faul. Offenbar kommen Dinge zusammen, die nicht zusammengehören: Eine schwindende Hemmung davor, sich für die Anschaffung kurzlebiger Konsumgüter zu verschulden. Banken, die ihr Heil im Geldverleihen an Privatleute suchen, deren Lebenssituationen sie offensichtlich nur unzureichend einschätzen können. Eine sinkende Bereitschaft vieler Bürger, angesichts mickriger Zinsen überhaupt noch zu sparen. Eine wachsende Abneigung, Geld in die Altersvorsorge zu investieren oder gar etwas für die Zukunft der eigenen Kinder beiseitezulegen.

Aber nicht nur Verhaltensmuster nähren die Überschuldung, sondern auch Strukturen tragen dazu bei: In Deutschland ist ein gewaltiger Niedriglohnsektor entstanden. Wenn ein Gehalt nicht ausreicht, eine kleine Familie zu ernähren, ist die Verlockung von Krediten groß.

Solange die Wirtschaft genug Jobs bietet, mit denen sich Kreditnehmer über Wasser halten können, mag das die Probleme verdecken. Aber wehe, die Konjunktur bricht ein. Dann sind die Schuldner die ersten Opfer.