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06.11.2014, 17:10 Uhr LUXEMBURG UND SEINE STEUERN

Steuerparadies: Die Tricks sind alles, aber kein Geheimnis

Kommentar von Burkhard Ewert

Die „Goldene Frau“ ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Luxemburgs. Unternehmen können sich dort auch eine goldene Nase verdienen. Foto: dpaDie „Goldene Frau“ ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Luxemburgs. Unternehmen können sich dort auch eine goldene Nase verdienen. Foto: dpa

Osnabrück. Die breite Empörung ist ein bisschen geheuchelt. Denn dass Luxemburg sich als Steuerparadies für Konzerne im Herzen Europas geriert, war alles, aber kein Geheimnis. Ein Kommentar

Wer wollte, hätte sich darüber also auch bereits gestern oder vergangenes Jahr echauffieren können. Nur lag der Fokus bisher auf Managern, Sportlern, Handwerkern, die ihr Geld illegal in der Schweiz bunkerten, nicht auf Unternehmen, die Möglichkeiten der Steuerminderung nutzten, indem sie ihren Sitz in entsprechende und auch innereuropäische Oasen verlegten. Die EU-Kommission prüft bereits Einzelfälle, weshalb die Frage im Raum steht, ob ihr Präsident Jean-Claude Juncker gegen sich selbst ermittelt. Als luxemburgischer Premier hat er die Steuersparmodelle schließlich abgesegnet.

Wenn nicht überraschend, sind die Enthüllungen im Detail aber doch frappierend. Sie zeigen, wie dreist ausgerechnet Juncker als „Mr. Europa“ in seiner Nachbarschaft wildern ließ. Wie er sich einerseits über Bankengeschäfte jenseits des guten Geschmacks mokierte, sich andererseits mit den Konstrukten seines Ländchens selbst zum Akteur in einer moralischen Grauzone des Finanzmarktes machte.

Dass dies legal war, bringt den Kommissionspräsidenten ein Stück weit aus der Schusslinie. Politisch handelt es sich gleichwohl um einen Fall von erheblicher Doppelmoral. Während Luxemburg und andere EU-Staaten für Konzerne eigens erlaubte Wege der Steuervermeidung schufen, wurden die Schrauben für Privatleute fortlaufend angezogen.


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