Osnabrücker GDL: Streik muss sein Lokführerin schiebt 380 Überstunden vor sich her

Von Ulrike Schmidt

Kathrin Schawe  würde gerne ihre 380 Überstunden abbummeln. Foto: Gert WestdörpKathrin Schawe würde gerne ihre 380 Überstunden abbummeln. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Nein, sagt Michael Schindler, Vorsitzender der GDL-Ortsgruppe Osnabrück, er und seine Kollegen würden nicht gerne streiken, zumal dabei alle rund 30 Prozent Einkommenseinbußen hinnehmen müssten. Aber der Streik sei unumgänglich: für mehr Geld, eine Senkung der Belastung und die bessere Vereinbarung von Familie und Beruf.

Wie das Berufsleben als Lokführer ist, rechnet Kathrin Schawe von der DB Regio vor: 380 Überstunden schiebe sie vor sich her, ins neue Jahr starte sie mit 76 Tagen Urlaub. Auch am Mittwoch hatte sie Urlaub, sei aber von ihrer Disponentin gebeten worden einzuspringen. Ihr Schichtplan: sechs Tage fahren, ein Tag frei, fünf Tage arbeiten, zwei Tage frei und wieder von vorne.

Maximal fünf Schichten und 120 Stunden gehöre zu den Forderungen der GDL, bisher sind es bis zu sieben Schichten in 144 Stunden. Darunter leide das Familienleben. Deshalb gebe es im Familien- und Freundeskreis auch eine große Zustimmung für den Streik.

Auch unter den Reisenden gebe es noch immer eine große Solidarität, betont Schindler. Allerdings müssten sich die Streikenden auch schon mal beschimpfen lassen, gibt Kathrin Schawe zu. Die GDL-Mitglieder bemühten sich, die Bahnreisenden über ihre Forderungen zu informieren.

Dazu gehöre auch, einen Tarifvertrag für alle GDL-Mitglieder abzuschließen. Seit 2008, als die GDL einen guten Tarifabschluss für die Lokführer verhandelt habe, seien immer mehr Zugbegleiter, Bordgastronomen, Disponenten und Trainer der Lokführergewerkschaft beigetreten, erläutert Schindler. Unter den 250 aktiven GDL-Eisenbahnern der Ortsgruppe Osnabrück seien 50 Zugbegleiter, 30 Lok-Rangierer und der Rest Lokomotivführer.

Die Gewerkschaft wolle selbstverständlich die gleichen Arbeitsbedingungen für alle ihre Mitglieder. Für die starre Haltung der Bahn zeigt der Ortsgruppenvorsitzende kein Verständnis. Bei der Nordwestbahn und bei der Eurobahn gebe es auch zwei Tarifverträge, einen für die GDL und einen für die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Mit minimalen Unterschieden, wie Schindler sagt.

Auf den in diesen Tagen heftig attackierten GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky lassen die Osnabrücker Streikenden nichts kommen. „Er tut genau das, wofür er gewählt wurde“, sagt Lokführer Frank Bems. Dass der Rekordstreik die Feiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalls beeinträchtigen wird, sei durchaus passend. „Was wird denn am 9. November gefeiert?“, fragt Bems und gibt gleich die Antwort: „Dass die Menschen auf die Straße gegangen sind, und genau das tun wir auch.“

Im Zuständigkeitsbereich der GDL Osnabrück, der bis Rheine und Bielefeld reicht, gebe es seit der Streckenausschreibung vor zwei Jahren personelle Engpässe, berichtet Schindler. Da die Deutsche Bahn Strecke an die Westfalenbahn verloren habe, hätten sich etliche Kollegen neu orientiert. Das habe dazu geführt, dass vor allem die Kollegen der DB Regio so viele Überstunden haben.

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