Connemann beklagt Marktmacht Milchpreise um zehn Cent gesenkt: Heftige Kritik an Aldi

Von Dirk Fisser


Osnabrück. Milch und Milchprodukte werden erheblich billiger. Die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd haben am Montag nach eigenen Angaben die Preise für Milch um zehn Cent je Liter reduziert. Gitta Connemann (CDU), Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses im Bundestag, kritisierte die Preissenkung scharf.

„Dieser Niedrigpreis ist nicht das Ergebnis einer normalen Preisfindung, sondern eines Preiskampfes“, sagte Connemann unserer Redaktion. Sie hoffe, dass der Rest des Handels und die Verbraucher diesen Weg nicht mitgehen würden, denn „Milch ist mehr wert“.

Aldi gilt im deutschen Lebensmittelhandel als Schrittmacher. An den Preisen der Discounter orientieren sich erfahrungsgemäß auch große Supermarktketten in ihrer untersten Preislage mit ihren Eigenmarken-Produkten.

Die Discounter verwiesen bei der Preissenkung auf ein Überangebot auf dem Milch- und Fleischmarkt, das zu sinkenden Rohstoffpreisen führe. Bei Milcherzeugern wird die Entwicklung mit großer Sorge betrachtet. „Wir steuern wieder auf eine Krise zu“, sagte der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter, Hans Foldenauer. Eine weltweit hohe Milchproduktion und eine schwächere Nachfrage aus Asien drückten auf die Preise. Die russischen Sanktionen sei dabei ein zusätzlicher Effekt gewesen. „Russland hat das Fass zum Überlaufen gebracht“, schilderte er.

Connemann kritisiert Marktmacht

Connemann sagte, die Preisbremse sei aus ihrer Sicht weniger mit dem russischen Importstopp und damit verbundenen Überkapazitäten als vielmehr mit der Struktur im Lebensmittelhandel zu begründen: „Es zeigt sich die fast monopolartige Macht der Discounter und einiger Handelsketten.“ Vier große Lebensmittelketten teilten sich 85 Prozent des Marktes, so die CDU-Politikerin. Sie rief das Bundeskartellamt dazu auf, hier genau hinzusehen.

Der Deutsche Bauernverband sah das ähnlich. Landwirte hätten „nur geringen Schutz vor dieser geballten Marktmacht“, teilte der Verband mit. Zugleich sei die Billigpreispolitik nicht vereinbar mit den immer höheren Anforderungen des Handels und der Molkereien an Nachhaltigkeit und Qualität. Bereits bei der vorangegangen Preissenkungsrunde speziell für Butter hatte der Bauernverband Aldi hart angegangen. Im Gespräch mit unserer Redaktion hatte Generalsekretär Bernhard Krüsken dem Discounter vorgeworfen, die Folgen des russischen Einfuhrverbots und der Ukraine-Krise auszunutzen.

30 Cent je Kilo Milch

Der Verband der Milchviehhalter geht davon aus, dass der Auszahlungspreis an Milchbauern Richtung 30 Cent je Kilogramm Rohmilch sinken wird. Das sei zwar mehr als im zurückliegenden Krisenjahr 2009, als der Auszahlungspreis zeitweise knapp über 20 Cent gelegen habe. „Durch die hohen Kostensteigerungen wären 30 Cent je Kilogramm mit der Situation von 2009 vergleichbar“, betonte Foldenauer aber. Sein Verband fordert von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) einen Runden Tisch, um Schritte zur Stabilisierung zu beraten.

Boykottaufruf

Besonders scharf kritisierte am Montag der Tierschutzbund den Discounter Aldi. „Wer noch Fleisch isst, sollte Aldi-Filialen zukünftig meiden“, rief der Verband zu einem Boykott auf. Die Preissenkungen gingen direkt zulasten der Tiere und der Landwirte, teilt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, mit.

Die Organisation stellt ferner die Frage, wie mit sinkenden Preisen die „Initiative Tierwohl“ umgesetzt werden soll. Die freiwillige Verpflichtung von Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie soll die Haltungsbedingungen der Tiere verbessern. Aldi ist ein Unterzeichner der geplanten Initiative. „Das passt nicht zusammen, denn mehr Tierschutz im Stall kostet Geld, das muss auch der Verbraucher lernen“, wird Schröder zitiert.

(mit dpa)

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