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08.10.2014, 21:16 Uhr TRANSPORTEURE UNTER DRUCK

Mindestlohn und Uber: Achtung, Taxischreck

Ein Kommentar von Christian Schaudwet


Travis Kalanick hat in Kalifornien den Fahrdienste-Vermittler Uber gegründet. Der verschärfte Wettbewerb durch das Unternehmen bereitet der unter Überkapazitäten leidenden Taxibranche in Deutschland Sorgen. Foto: dpaTravis Kalanick hat in Kalifornien den Fahrdienste-Vermittler Uber gegründet. Der verschärfte Wettbewerb durch das Unternehmen bereitet der unter Überkapazitäten leidenden Taxibranche in Deutschland Sorgen. Foto: dpa

Osnabrück. Die Taxiunternehmen stecken in der Klemme: Der Mindestlohn zwingt sie dazu, ihre Tarife zu erhöhen. Auf der anderen Seite macht ihnen der Fahrdienste-Vermittler Uber Kunden abspenstig. Und Uber dürfte nicht der einzige Herausforderer bleiben.

Das Taxigewerbe könnte die erste Branche sein, in der die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns viele Jobs vernichtet. Der Mindestlohn trifft die Taxiunternehmen zum ungünstigsten Zeitpunkt: Auf dem Markt für individuellen Personentransport fordert derzeit ein gefährlicher Konkurrent das alteingesessene Gewerbe heraus. Wer die höheren Taxipreise nicht zahlen will, kann in Deutschland vielerorts auf den Fahrdienst-Vermittler Uber ausweichen.

Der Taxischreck aus Kalifornien , der Fahrgäste und das günstige Angebot privater Fahrer per Smartphone-App zusammenbringt, oder ähnliche Anbieter werden den Markt aufwirbeln und traditionelle Taxiunternehmen teils verdrängen.

Das muss aus Verbrauchersicht kein Nachteil sein. Der Taximarkt könnte mehr Wettbewerb gut gebrauchen, findet etwa der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt. Er hält die Branche für überreguliert. In der Tat: Warum muss ein Anwärter auf die Lizenz zum Chauffieren immer noch detaillierte Ortskenntnisse nachweisen, obwohl Navigationssysteme die Arbeit längst einfacher gemacht haben?

Mit dem Mindestlohn von 8,50 Euro ab Januar kommt aber das Gegenteil von Liberalisierung auf die Branche zu. Keine Frage, den Taxifahrern steht eine vernünftige Bezahlung zu. Doch die Realität des Wettbewerbs könnte den mühsam erlangten Mindestlohn-Kompromiss bald überholen.


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