Ambulanz- und Sonderfahrzeug Darauf fahren Lebensretter nicht nur in Wietmarschen ab

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Produktion in drei Linien: Rettungswagen aus Wietmarschen sind weltweit gefragt. Foto: WAS/Andreas MetznerProduktion in drei Linien: Rettungswagen aus Wietmarschen sind weltweit gefragt. Foto: WAS/Andreas Metzner

Wietmarschen. Schwefelgelb für Großbritannien, Rot für Frankreich, Weiß für Deutschland: Rettungswagen aus Wietmarschen in der Grafschaft Bentheim sind weltweit im Einsatz. Im äußersten Westniedersachsen produziert die Wietmarscher Ambulanz- und Sonderfahrzeug GmbH und liefert nach Köln und Zürich, Ägypten und Algerien.

Zur Firmengründung im Jahr 1987 befand sich das bundesdeutsche Rettungswesen im Umbruch: Statt vom Einsatzort einfach nur schnellstmöglich ins Krankenhaus zu fahren, ging es nun darum, Patienten vor Ort zu stabilisieren und eine notärztliche Versorgung zu gewährleisten. Mit seinen Fahrzeugen hat sich das Unternehmen, das sich kurz WAS nennt, seither weltweit einen Namen gemacht – und sieht sich mit einer Jahresproduktion von 1500 Fahrzeugen als Marktführer in Europa.

Seit der Gründung ist die Belegschaft von zwölf auf 400 Mitarbeiter gewachsen. In Wietmarschen wird an zwei Standorten produziert: an einem sogenannte Kofferwagen, bei denen eine rechteckige Kabine für den Patiententransport auf ein Fahrgestell montiert wird. Am anderen werden Kastenwagen ausgestattet und individuelle Einbau-Elemente gefertigt. In Polen stellt WAS einfache Rettungswagen für Osteuropa und Serien-Elemente für den Innenausbau her. 2012 lag der Umsatz bei 85 Millionen Euro.

Mit Innovationen treibt WAS die Branche an. Anfang der 1990er-Jahre wurden mit komplett desinfizierbaren Innenräumen und hydraulisch gefederten Ambulanztischen, auf denen die Patienten liegen, Standards gesetzt. Später folgten Crash- und Überrolltests – jeweils ein Novum für die Branche. Und die Aufbauten seien vollständig wiederverwertbar.

Gut 40 Prozent der Fahrzeuge sind für den deutschen Markt, in einer gleichen Größenordnung wird in europäische Länder exportiert. Der Rest geht in die weite Welt, vor allem in arabische Länder. Ganze mobile Kliniken werden dorthin exportiert, in abgelegenen Regionen stellen sie die ärztliche Versorgung sicher. Solche Kolonnen umfassen bis zu 15 Fahrzeuge, in denen Zahnärzte, Gynäkologen und die Innere Medizin untergebracht sind.

Fahrgestelle und Kastenwagen kauft WAS im Rohzustand in der Regel bei Volkswagen und Daimler. „Wir wollen mit einem deutschen Produkt punkten“, sagt Geschäftsführer Andreas Ploeger. Ausnahmen sind die Regel. Vor allem für den wichtigen französischen Markt. Dort ist Renault gefragt. WAS behaupte sich dort mit einem Marktanteil von 20 Prozent.

Für Polizei, Zoll und andere Behörden baut WAS zwar keine Streifenwagen, aber fast alles andere: Mannschaftswagen, Hundetransporter, Fahrzeuge für die verdeckte Ermittlung, Einsatzwagen für Mautkontrolleure.

Üblich ist ein Ein-Schicht-Betrieb. Bei Großaufträgen, die bis zu 400 Fahrzeuge umfassen können, wird aber auch rund um die Uhr gearbeitet. „Dafür haben wir sehr flexible Arbeitszeitkonten“, sagt Ploeger. Auch Leiharbeiter werden dann beschäftigt. Wobei der Geschäftsführer Wert darauf legt, dass es keine Lohnunterschiede gebe.

Mit seiner Innovationskraft und dem hohen Exportanteil habe die Firma aus Wietmarschen Strahlkraft über den Landkreis hinaus, sagt Ralf Hilmes, oberster Wirtschaftsförderer der Grafschaft Bentheim. „Wegen der ständigen Weiterentwicklung ist WAS am Markt sehr erfolgreich“, sagt er. Das Unternehmen zählt zu den größten privaten Arbeitgebern im Landkreis.

Der Erfolg der Fahrzeugbauer ist bisweilen so groß, dass die Hallen in Wietmarschen zu klein werden. Noch könne man sich behelfen, sagt Ko-Geschäftsführer Daniel Gotthardt, auch wenn die Auslastung das Zweieinhalbfache der geplanten Kapazität betrage. „Aber das ist ein Thema, das wir mittelfristig angehen müssen.“

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