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23.09.2014, 18:47 Uhr VORSTANDSCHEF DER DEUTSCHEN BANK

Anklage gegen Jürgen Fitschen: Drängende Frage

Ein Kommentar von Christian Schaudwet


Kommt es zum Prozess gegen Deutsche-Bank-Topmanager Jürgen Fitschen (l., im Gespräch mit dem Ko-Vorstandschef Anshu Jain)? Foto: ReutersKommt es zum Prozess gegen Deutsche-Bank-Topmanager Jürgen Fitschen (l., im Gespräch mit dem Ko-Vorstandschef Anshu Jain)? Foto: Reuters

Osnabrück. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat den Ko-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, wegen versuchten Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren angeklagt. Muss er vor Gericht, haben vor allem Kunden und Aktionäre der Bank Grund zur Sorge.

Den Banken sei im Zuge der Finanzkrise das Vertrauen entzogen worden, hatte Jürgen Fitschen gerade noch vor 1300 Managern in Berlin beklagt. Da sprach sich herum, dass die Staatsanwaltschaft München gegen ihn selbst allergrößtes Misstrauen hegt: Versuchten Prozessbetrug – unwahre Aussagen im Prozess um die Pleite des Kirch-Medienimperiums – werfen die Staatsanwälte dem Ko-Vorstandschef der Deutschen Bank vor.

Wie üblich wird Empörung aufbranden, wird das Internet vor Vorverurteilungen wimmeln. Doch allen Eiferern und Hobby-Richtern sei gesagt: Der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ gilt auch für Fitschen, den neben seinem Vorstandskollegen Anshu Jain mächtigsten Manager der deutschen Finanzwirtschaft – selbst wenn die Bank fleißig Anlässe geliefert hat, an ihrer Vertrauenswürdigkeit zu zweifeln.

Schon vor der Entscheidung, ob die Münchener Anklage gegen Fitschen zugelassen wird, drängt sich allerdings die Frage auf: Ist eine Konzernspitze, die sich auf eine juristische Abwehrschlacht vorbereiten muss, in der Lage, das ihr anvertraute Unternehmen gut zu führen? Die Frage war schon zur Amtszeit des Fitschen-Vorgängers Josef Ackermann geboten, der sich im Kirch-Prozess verantworten musste. Stellen sollten sie die Aktionäre und Kunden der Deutschen Bank.


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