Boge-Group gegründet Chinesen wollen Millionen in Damme investieren

Von Gerd Placke

Chef bei Boge: Torsten Bremer. Foto: LewandowskiChef bei Boge: Torsten Bremer. Foto: Lewandowski

Damme. Die größte Übernahme in der europäischen Automobilindustrie durch einen chinesischen Konzern ist vollzogen: Seit dem 1. September werden die weltweiten Aktivitäten des Automobilzulieferers Boge Rubber&Plastics von Damme (Landkreis Vechta) aus geleitet.

Der weltweit führende Produzent von Eisenbahntechnik, der chinesische Konzern CSR (90000 Mitarbeiter/Umsatz 2013: rund 11 Milliarden Euro) hat zu diesem Zeitpunkt die frühere Gummi-Kunststoff-Sparte des deutschen Zulieferers ZF übernommen und seine Tochterfirma TMT in das neue Unternehmen Boge eingebracht. Weltweit beschäftigt Boge damit 3750 Mitarbeiter, davon in den drei deutschen Werken Damme, Bonn und Simmern (Hunsrück) 1800. Branchenkenner beziffern das Volumen der Übernahme der Ex-ZF-Einheit auf rund 300 Millionen Euro.

Beim offiziellen Stapellauf der Boge Rubber&Plastics Group betonte Torsten Bremer, der als Chef („President & CEO“) die Geschicke der neuen Firma leitet, dass sein Unternehmen mit neun Standorten in sieben Ländern im Bereich Schwingungstechnik und Leichtbau Lösungen vom Stand weg bereits weltweit den dritten Platz belegt, Tendenz steigend.

CSR-Konzernchef Hualong Liu versprach auf Nachfrage, dass sein Konzern selbstverständlich die Zusage einhält, in den kommenden fünf Jahren fünf Prozent des weltweiten Umsatzes (2013: 752 Millionen Euro) zu investieren – und zwar mindestens. Bremer erläuterte in diesem Zusammenhang, dass dieses Geld in Infrastruktur sowie den Bereich Forschung und Entwicklung gehen werde. Noch im laufenden Jahr werde der Grundstein für ein zweites Produktionswerk in der Slowakei gelegt. Außerdem betreibt der Konzern bereits in den USA, Brasilien, Frankreich, Australien sowie Deutschland (3x) und China zum Teil seit Jahrzehnten Fabriken.

Bremer erinnerte an die turbulenten Monate, seitdem im Frühsommer vergangenen Jahres bekannt wurde, das ZF seine traditionsreiche Einheit Gummi-Kunststoff an einen chinesischen Konzern abgeben wolle.

Beobachter erinnern sich: Damals gab es hektische Aktivitäten am ZF-Stammsitz Friedrichshafen und den Spartenwerken in Bonn, Simmern und Damme. Überall dort versammelten sich aufgebrachte Belegschaftsmitglieder, die Angst um ihre Zukunft hatten. Was folgte, waren intensive Verhandlungen zwischen dem deutschen Management, Betriebsräten und dem chinesischen CSR-Konzern. Herausgekommen ist ein Übernahmevertrag, der als Hauptpunkte nicht nur die erwähnte Investitionszusage umfasst, sondern auch eine Jobgarantie für die ehemaligen ZFler bis 31.Dezember 2018. So vollzog sich ein Schwenk „von Angst in Hoffnung und jetzt vielleicht auch Aufbruchstimmung“, wie Bremer sagte.

Gesamtbetriebsratschef Antonius Thölken (Damme) bestätigte diese Einschätzung: Die Absicherungen auch für die Azubis seien weitreichend. Die Stimmung sei umgeschlagen – jetzt heiße es, nach vorne zu schauen.

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