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12.09.2014, 07:30 Uhr STROMPREISSTEIGERUNG

Vertrauensbruch zum Schaden der Energiewende

Kommentar von Christian Schaudwet

Für private Haushalte kostete der Strom seit 2008 mehr, für Industriebetriebe weniger. Foto: dpaFür private Haushalte kostete der Strom seit 2008 mehr, für Industriebetriebe weniger. Foto: dpa

Osnabrück. Der Strompreis für private Haushalte in Deutschland ist seit 2008 um 38 Prozent gestiegen, während energieintensive Betriebe weniger bezahlen mussten als zuvor. Das schadet der Energiewende.

Die gute Nachricht ist: Strom wird im kommenden Jahr wahrscheinlich nicht mehr teurer, denn die Ökostrom-Umlage dürfte sinken. Die schlechte lautet: Die drastische Preissteigerung für Haushalte seit 2008, gemixt mit der Entlastung großer Unternehmen, ist die ideale Rezeptur, um noch mehr Bürgern die Energiewende madig zu machen.

Windmüller und Solarfarmer profitieren von der Ökostromumlage. Energieintensive Betriebe profitieren davon, dass ihre Lobbyisten sie aus der Umlagepflicht herausgeboxt haben. Energieversorger profitieren von den gesunkenen Strom-Einkaufspreisen. Der Staat profitiert von der Stromsteuer und der Mehrwertsteuer auf Strom.

Die Schwächsten indes – Normalbürger und kleine Unternehmen – profitieren nicht, im Gegenteil: Sie sind die Quelle, an der die anderen sich laben.

Diese Konstellation wirft einen Schatten auf alle, die an ihr verdienen. Sie eignet sich bestens, das Ansehen der wichtigsten Energiewende-Akteure weiter zu beschädigen, und bietet Nährboden für Resignation und noch mehr Entfremdung von der Politik.

So weit hätte es nicht kommen dürfen. Die Lasten der Energiewende müssen nun endlich gerechter verteilt werden. Sonst droht dem Jahrhundertvorhaben das Scheitern.


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