Online-Händler will 16 Mrd Euro erlösen Chinas Online-Händler Alibaba strebt an New Yorker Börse

Geschäftiges Treiben in der Alibaba-Zentrale in Hangzhou. Jetzt will das Internet-Unternehmen an die Börse. Foto: dpaGeschäftiges Treiben in der Alibaba-Zentrale in Hangzhou. Jetzt will das Internet-Unternehmen an die Börse. Foto: dpa

dpa/Reuters New York/Peking. Chinas führender Online-Händler Alibaba will Geschichte schreiben: Das Unternehmen strebt das größte Aktiendebüt aller Zeiten an. Alibaba will mehr als 21 Milliarden Dollar (rund 16,3 Mrd. Euro) bei Investoren einsammeln, wie aus einer Mitteilung des Konzerns an die US-Börsenaufsicht hervorgeht.

Der am Wochenende veröffentliche Börsenprospekt des Unternehmens skizziert ein Megaprojekt bislang ungeahnten Ausmaßes. Doch damit der gigantische Plan gelingt, ist noch einiges zu tun. Alibaba-Gründer Jack Ma und sein Team stehen vor einer Mammutaufgabe. Sie müssen Investoren überzeugen, die zunächst in einer Preisspanne zwischen 60 und 66 Dollar angebotenen 320 Millionen Aktien zu kaufen. Auf sogenannten „Roadshows“ soll die Werbetrommel gerührt werden. An diesem Montag startet die Milliardenjagd in New York, wo die Alibaba-Papiere ab 19. September unter dem Kürzel BABA gelistet werden könnten.

Wie die „New York Times“ berichtet, werden zwei Teams mit Alibaba-Führungskräften – Code-Name „Rot“ und „Orange“ – mit Beratern die USA abklappern. Danach sollen Europa, der Mittlere Osten und Asien an die Reihe kommen. 100 Treffen mit potenziellen Investoren in zehn Tagen seien geplant.

Möbelhändler Ikea wächst in China rasch ››

Damit alles glattgeht, baut Alibaba zudem auf die Unterstützung der Finanzbranche. Führende Investmentbanken werden dem Unternehmen beim Börsengang helfen. An vorderster Stelle steht dabei nach Informationen des „Wall Street Journal“ Goldman Sachs. Das einflussreiche New Yorker Geldhaus wurde demnach als Hauptpartner („Stabilization Agent“) verpflichtet, dem bei der Ausgabe der Aktien eine Schlüsselrolle zukommt und dem höhere Einnahmen in Aussicht stehen als den anderen beteiligten Banken.

Auch die Deutsche Bank ist als Platzierungshelfer der Papiere mit von der Partie. Daneben hat Alibaba laut Börsenprospekt Credit Suisse, JPMorgan, Citigroup und Morgan Stanley als Partner verpflichtet.

Da zunächst nur ein kleiner Teil von Alibaba an der Börse gelistet wird, bewertet sich Alibaba auf Basis der Preisspanne für seine Aktien insgesamt mit bis zu 163 Milliarden Dollar. Damit sieht sich der Konzern etwa gleichauf mit Wettbewerber Amazon und deutlich vor anderen Konkurrenten wie Ebay.

Ob die hohen Einstandspreise ein Vorteil sind, muss sich erst zeigen. So war etwa das Börsendebüt des Online-Netzwerks Facebook 2012 zum Debakel geworden, weil der Ausgabepreis der Aktien zu hoch angesetzt wurde.

Alibaba-Gründer Jack Ma macht zudem keinen Hehl daraus, dass Anleger bei ihm nicht an erster Stelle stehen. Schon Mitte des Jahres hatte er seine Mitarbeiter vor der „beispiellosen Rücksichtslosigkeit“ der Finanzmärkte gewarnt und den Erhalt der Firmenkultur versprochen. „Die Kunden kommen zuerst, die Mitarbeiter als Zweite und dann die Aktionäre“, hieß es in nun einem Brief, der mit dem Börsenprospekt veröffentlicht wurde. Das sind normalerweise nicht die Aussagen, die finanzstarke Investoren gern hören wollen. In der US-Aktienkultur ist eher das Prinzip des „Shareholder-Value“ gängig, das der Steigerung des Marktwerts im Interesse der Börsianer dient.

Davon scheint der 49-jährige Alibaba-Gründer nicht viel zu halten. Damit hat Ma allerdings etwas gemeinsam mit Jeff Bezos, dem Chef des großen Alibaba-Konkurrenten Amazon. Bezos verärgert Investoren regelmäßig, weil er mit hohen Investitionen in den Kundenservice die Marktanteile ausbaut, anstatt Ergebnisse und Aktienkurs zu pflegen.

Ma, der eigentlich Englischlehrer ist, gilt mit einem Vermögen von 16,5 Milliarden Euro als reichster Chinese. Er gründete seinen Konzern 1999. Das Unternehmen mit rund 300 Millionen Kunden wickelt pro Jahr 14,5 Milliarden Aufträge in 190 Ländern ab. Alibaba ist als Handelsplattform inzwischen größer als Amazon und Ebay zusammen.