Spediteur Walter Vollmer Der Altpapierentsorger kommt in Badbergen mit dem Oldtimer

Mit ihrem Fuhrpark aus den 1970er-Jahren sammeln Peter und Walter Vollmer (rechts) Altpapier ein. Fotos: Klaus LindemannMit ihrem Fuhrpark aus den 1970er-Jahren sammeln Peter und Walter Vollmer (rechts) Altpapier ein. Fotos: Klaus Lindemann

Badbergen. Der Ruhestand kann warten: Mit 78 Jahren sitzt der Badberger Walter Vollmer noch immer jeden Tag hinter dem Lenkrad und transportiert Altpapier durch den Landkreis Osnabrück. Begleitet wird der Unternehmer von seinem Bruder Peter. Sie fahren ausschließlich Oldtimer.

Fünf Daimler-Benz-Lkw nennt der Altpapierentsorger sein Eigen; alle wurden in den 1970er-Jahren gebaut, alle sind Oldtimer und tragen das „H“ für „Historisches Fahrzeug“ auf dem Nummernschild. „Die fahren alle noch hervorragend, daran gibt es nichts auszusetzen“, sagt Walter Vollmer. Für Kenner die Modellnummern des Fuhrparks aufgezählt: 608, 813, 1319, 1418, 1624. „Meistens fahre ich mit dem 1319, der ist nicht zu klein und nicht zu groß für die Osnabrücker Innenstadt“, sagt Vollmer.

Innenstadt? Eigentlich hätten die 40 Jahre alten Lkw in der Umweltzone mit ihren strengen Abgasregeln nichts zu suchen. Das H-Kennzeichen erlaubt Walter Vollmer, auch ohne grüne Plakette dort Altpapier zu laden. Ein Problem sieht er darin nicht – seien die Oldtimer doch eine geringe Minderheit

Viele Leute würden Vollmer bei seinen Touren grüßen, sich über den Lkw informieren oder fragen, ob er mit ihm überhaupt noch fahren dürfe. Alleine ist der 78-Jährige allerdings nie unterwegs. Sein 15 Jahre jüngerer Bruder Peter, der Jüngste unter acht Geschwistern, ist immer mit dabei. Die Mutter hatte für den mit dem Gendefekt Trisomie 21 geborenen Peter vor vielen Jahren einen Platz in den Beschützenden Werkstätten ausgesucht. Einen Tag lang schaute sich Peter den Betrieb an – fand alles „blöd“ und unterstützt seitdem seinen ältesten Bruder.

Die beiden unverheirateten Brüder leben auf dem Badberger Hof, auf dem auch ihr Abfallentsorgungsbetrieb beheimatet ist. Ursprünglich kommt die Familie aus Quakenbrück, vor 30 Jahren zogen sie auf die alte Hofstelle. „Da war damals nichts, kein Pflaster und keine Halle, wir mussten alles erst bauen lassen“, sagt Walter.

Das Recycling-Unternehmen ist ein Familienberieb, vor Walter Vollmer führte ihn seine Mutter. Sie beschränkte sich jedoch auf die Büroarbeit.

Das Altpapier holen die Vollmer-Brüder vor allem von Einzel- und Großhändlern. Zu Privatpersonen fahren sie, wenn diese große Mengen entsorgen wollen. Das Einzugsgebiet von Vollmer & Sohn reicht von Glandorf im südlichen Osnabrücker Landkreis bis nach Cloppenburg im Norden. Zwei Mitarbeiter sind im Familienbetrieb angestellt, sie kümmern sich vor allem um das Pressen des Altpapiers. Hauptabnehmer für die Verpackungsstoffe ist die Firma Delkeskamp in Nortrup.

Altpapier spielt in der deutschen Papierindustrie eine zentrale Rolle. 2012 kamen laut Umweltbundesamt 16,2 Millionen Tonnen zum Einsatz – gemessen an der Papierproduktion von insgesamt 22,6 Millionen Tonnen entspricht das einem Recyclinganteil von 72 Prozent. Um die Jahrtausendwende lag der Anteil noch zwölf Prozentpunkte niedriger.

Für Walter Vollmer läuft das Geschäft ordentlich. Es lief aber schon mal besser, sagt er. „Es gab eine ganz große Verschlechterung, als die Bundesregierung in den 90er-Jahren Altpapier zu Müll erklärt und die Kommunen mit der Entsorgung betraut hat.“ Inzwischen werde der Markt durch asiatische Schwellenländer bestimmt. Gerade das boomende China habe lange Zeit nach immer mehr Verpackungsmaterial und damit auch Altpapier verlangt. „Im Moment ist die Nachfrage aber wieder etwas schwächer, China hat auch Probleme“, sagt Vollmer.

Die Entscheidung, wie lange er noch Altpapier einsammeln, pressen und verkaufen will, macht Walter Vollmer aber nicht von irgendeiner Marktentwicklung abhängig: „Solange ich Spaß daran habe, höre ich nicht auf!“

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