Tarifvertrag läuft aus Mindestlohn für Bäcker in Niedersachsen ist passé

Der Mindestlohn für Bäcker in Niedersachsen in Geschichte: Mit dem Auslaufen des Tarifvertrags Ende Juli endet auch dessen Allgemeinverbindlichkeit. Foto: dpaDer Mindestlohn für Bäcker in Niedersachsen in Geschichte: Mit dem Auslaufen des Tarifvertrags Ende Juli endet auch dessen Allgemeinverbindlichkeit. Foto: dpa

Osnabrück. Kaum eingeführt, ist der Mindestlohn im niedersächsischen Bäckereihandwerk wieder Geschichte: Mit Auslaufen des aktuellen Tarifvertrags zum 31. Juli endet die sogenannte Allgemeinverbindlichkeit: Danach hatten alle Beschäftigten Anspruch auf den Tariflohn – auch wenn deren Betriebe zuvor weniger zahlten.

Erst im April hatte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) den Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt. Dem vorausgegangen war ein einstimmiges Votum von Arbeitgebern und Arbeitnehmern für die Allgemeinverbindlichkeit. Nach Angaben des Ministeriums arbeiten im Bäckerhandwerk rund 32.000 Menschen, davon etwa 17.000 in tarifgebundenen Betrieben.

Laut dem bereits 2012 vereinbarten Tarifvertrag erhält ein Bäcker ab dem vierten Jahr nach der Ausbildung einen Stundenlohn von 12,70 Euro. Hinzu kommen Zuschläge etwa für Nachtarbeit. Fachverkäufer erhalten 10,60 Euro – das macht 1727,80 Euro brutto im Monat.

Bei den im Oktober beginnenden Tarifverhandlungen will die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) 5,5 Prozent mehr Lohn einfordern. „Für uns ist es wichtig, dass das Niveau der untersten Lohngruppen über 8,50 Euro angehoben wird“, erklärt Bernhard Hemsing, Geschäftsführer für die Region Osnabrück. Der niedrigste Stundenlohn liegt aktuell bei 7,98 Euro.

Bis ein neuer Tarifvertrag steht, haben zunächst nur Gewerkschaftsmitglieder Anspruch auf den Tariflohn – hier tritt die sogenannte Nachwirkung in Kraft.

Minister Lies würde es begrüßen, wenn sich Gewerkschaft und Arbeitgeber nach den Verhandlungen erneut für eine Allgemeinverbindlichkeit des Tarifvertrags aussprechen würden, sagte eine Sprecherin auf Nachfrage.

Die Aussichten dafür sind jedoch schlecht. Die Mitgliederversammlung des Bäckerinnungsverbands Niedersachsen/Bremen habe ein „klares Votum“ gegen die Allgemeinverbindlichkeit abgegeben, erklärt Geschäftsführerin Bettina Emmerich-Jüttner. „Das soll nicht wieder geschehen.“ Nähere Gründe dafür nannte sie nicht.

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