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Bernhard Thünemann ist neuer Geschäftsführer Valmet-Mitarbeiter protestieren gegen Stilllegung

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Osnabrück. Zum Krisengespräch der Valmet-Automotive war der Chef des operativen Geschäfts aus Finnland, Robert Blumberg, am Mittwoch nach Osnabrück angereist. Forderungen, die Produktion in Osnabrück schrittweise auslaufen zu lassen, werde die Geschäftsführung prüfen, hieß es nach der Sitzung des Beirates. Am Mittag hatten Hunderte Valmet-Mitarbeiter und Mitglieder der IG-Metall gegen die Schließung des Produktionsstandort Osnabrück protestiert.

In dem Gebäude an der Doppheide fand um 12 Uhr eine Sitzung des Beirats statt, an der der Valmet-Chef des operativen Geschäfts aus Finnland teilnahm. Unter dem Protest der Demonstranten trat der Beirat um kurz nach 12 Uhr vor die Belegschaft. Dies sei als „Zeichen“ zu sehen, dass die deutsche und finnische Geschäftsführung den Dialog aufgenommen habe und gewillt sei, diesen fortzuführen, sagte Blumberg. Er stellte Bernd Thünemann als neuen Geschäftsführer bei Valmet Automotive vor. Martina Lupberger habe aus „persönlichen Gründen“ den Betrieb nach neun Monaten verlassen, sagte Blumberg weiter. Dies quittierten die Demonstranten mit Pfiffen und Gelächter. „Die Gesichter tauschen, die Fragen bleiben trotzdem die gleichen“, sagte der Vorsitzende des Betriebsrats, Lazar Kustodic.In einem Offenen Brief hatte der Betriebsrat und die IG-Metall in der vergangenen Woche Lupberger indirekt aufgefordert, für das „Missmanagement“ Verantwortung zu zeigen.

„Der Cabrio-Markt hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert“, sagte Blumberg weiter. Eine Verbesserung der Situation sei nicht in Sicht. Zwei Fertigungsstandorte zu erhalten, sei aufgrund der Marktsituation nicht möglich, hieß es nach der Sitzung. Zukünftig sollen die Verdecksysteme nur im polnischen Zary gefertigt werden. Für den Osnabrücker-Standort bedeutet dies: Entweder die Produktion läuft mit den Modellen in den nächsten Jahren aus oder sie wird vorzeitig nach Zary verlegt. Die Entwicklung mit rund 100 Mitarbeitern solle aber auch weiterhin am Standort Osnabrück bleiben. Nun wolle die Geschäftsführung der Valmet Automotive und des finnischen Mutterkonzerns prüfen, ob die Produktion wie geplant bis zum Ende in 2017 in Osnabrück bleiben könne. Dies hatte unter anderem der Betriebsrat gefordert.

„Es geht hier nicht um Gewinnmaximierung, es geht hier um das Überleben der gesamten Firma“, sagte der Valmet-Chef aus Finnland am Vormittag vor den protestierenden Arbeitern. Dabei sei der Unternehmensführung bewusst, welche Verantwortung „wir für Sie und Ihre Familie haben“, sagte er. Immer wieder reagierten die Beschäftigten mit Zwischenrufen oder Pfiffen auf die Worte Blumbergs.

Stephan Slodanski von der IG-Metall sagte: „Wir wollen ein Konzept für 400 Mitarbeiter am Standort Osnabrück“. Er spielte auch auf den Ergänzungs- und Zukunftssicherungsvertrag an. Damit verzichten die Beschäftigten auf fünf Prozent des Entgelts sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Falls die Kündigungen nicht zurückgezogen würden, wolle er an den Tarifvertrag erinnern, drohte Slodanski.

Nach Angaben von Peter Spiekermann, Erster Bevollmächtigter der IG-Matall, waren am Mittwoch vor dem Verwaltungsgebäude der Valmet Automotive rund 300 Menschen zusammengekommen, um gegen die Entlassungen von 230 Mitarbeitern zu demonstrieren. Zu dem Protest kamen auch Mitarbeiter von Volkswagen Osnabrück, von Essex aus Bramsche, des Kupferverarbeiters KME sowie von Frimo aus Lotte. Für die Unterstützung bedankte sich Soldankski von der IG-Metall Osnabrück: „Das zeigt, dass wir hier im Fledder nicht allein stehen.“ Von der VW-Tochter Autovision unterstütze beispielsweise Betriebsrätin Petra Schubert ihre ehemaligen Kollegen, wie sie sagte. Sie selbst habe jahrelang für Karmann gearbeitet, wie ein Großteil der Valmet-Belegschaft. Der Osnabrücker Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hatte sich am Morgen mit dem Betriebsrat und anschließend mit der Geschäftsleitung getroffen, um sich über die Lage des Unternehmens zu informieren.

Am vergangenen Montag hatte die Geschäftsführung auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung verkündet, dass 230 Mitarbeiter von den 330 in den nächsten Jahren entlassen werden. Insgesamt seinen jedoch 300 Arbeitsplätze zu verantworten, hieß bei dem Protest. Denn 20 Mitarbeiter seien durch Aufhebungsverträge bereits entlassen worden, 50 hätten aufgrund der unsicheren Situation gekündigt.

Im Januar hatten sich die Eigentumsverhältnisse an der Valmet GmbH verändert, da der Haupteigner Metso Corporation Anteile abgegeben hatte. Dadurch sei die wirtschaftliche Basis ins Wanken gekommen, sagte Betriebsrat Lazar Kustudic in der vergangenen Woche. Ende Dezember 2013 reduzierte Metso seine Anteile an Valmet Automotive von rund 61 Prozent auf knapp 41 Prozent, wie es im Geschäftsbericht von 2013 steht. Weiter heißt es dort, dass die Tochtergesellschaft Valmet Automotive und Valmet seit dem 17. Januar als sogenannte „Discontinued Operations“ aufgeführt werden und demnach demnächst verkauft oder stillgelegt werden sollen. Neben dem finnischen Technologiekonzernen Metso und Valmet Corp sind die Beteiligungsgesellschaft Pontos sowie der finnische Staat an Valmet Automotive beteiligt.

Wirtschaftsnachrichten aus der Region Osnabrück-Emsland hier.


Discontinued Operation:

Als „Discontinued Operation“ werden Geschäftsfelder oder Sparten eines Unternehmens bezeichnet, die verkauft oder stillgelegt werden sollen. Nach den sogenannten Financial Reporting Standards (IFRS) müssen die Gewinne und Verluste dieser Unternehmensfelder separat im Jahresabschluss der Firma aufgeführt werden.

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