Rückgang im Cabrio-Geschäft Karmann-Trauma: Valmet-Mitarbeiter bangen um Zukunft


Osnabrück. Die Mitarbeiter des Autozulieferers Valmet Automotive in Osnabrück sorgen sich um ihre Zukunft. Am Montag hatte die Geschäftsführung auf einer außerordentlichen Betriebsversammlung verkündet, dass 230 Mitarbeiter von den 330 in den nächsten Jahren entlassen werden. In einer Woche wird der Chef des operativen Geschäfts aus Finnland in Osnabrück erwartet.

Am Tor von Valmet in der Rudolph-Richter-Straße 3 hängt ein Plakat mit der Aufschrift: „Zukunft für Osnabrück. Kein Sterben auf Raten“. Wie es für die mehr als 200 Mitarbeiter weitergehen wird, denen die Entlassung droht, ist jedoch ungewiss. „Es wird noch ein Stück Tradition aus der Automobilbranche verschwinden“, sagt Fariborz Arabi. Der 47-Jähirge arbeitet in der Produktion für Porsche bei Valmet. Insgesamt ist er fast 20 Jahre bei dem Unternehmen beschäftigt gewesen, erst 15 Jahre für Karmann, seit 2010 dann für Valmet. „Die Angst ist die gleiche“, sagt er. Bereits einmal hat er erlebt, wie es ist, um seinen Job zu fürchten. Vor vier Jahren hatte Valmet Teile des insolventen Karosserie- und Verdeckspezialisten Karmann übernommen.

Für ihn wie auch für „die meisten Mitarbeiter“ sei die Ankündigung am gestrigen Montag ein „enormer Schock“ gewesen, sagt Arabi. Enttäuscht ist er auch davon, dass der finnische Mutterkonzern „keine soziale Verantwortung“ zeige. Auf irgendwelche Ankündigungen vonseiten der Geschäftsführung vertraue er nicht mehr.“ Damals hatten wir keine Produkte, heute wollen sie uns die Produkte wegnehmen“, sagt Arabi über die Pläne, die Produktion ins polnische Werk nach Zary zu verlegen.

Auch der 54-jährige Reinhold Hölscher kam von Karmann zu Valmet. Mit 63 Kollegen fing er nach dem Aus bei Karmann in Rheine in Osnabrück an. Seit insgesamt 31 Jahren sei er nun als Instandhalter beschäftigt. Das Déjà-vu zur Karmann-Insolvenz hat ihn eingeholt. Hölscher: „Die Gedanken kommen wieder auf.“

Lazar Kustudic (49), Betriebsratsvorsitzender bei Valmet, spricht von einem „Schwarzen Montag“. Die Versammlung am Montag sei sehr „dramatisch“ verlaufen: erst Stille, dann Unruhe. „Das muss erst mal sacken“, sagt er. Auch er kommt von Karmann.

Zeit und ein „glaubhaftes“ Unternehmenskonzept seien die wichtigsten Voraussetzungen für Verhandlungen, sagt Kustudic. Es sei das Mindeste, dass die Produktion bis zum Ende in Osnabrück auslaufe. Dann hätten die Mitarbeiter wenigstens noch bis 2017 Zeit, sich auf die Situation vorzubereiten. Vielleicht könnten auch bis dahin neue Aufgabenfelder gefunden werden oder die Marktsituation ändere sich, so die Hoffnung des Betriebsratsvorsitzenden. Und weiter: „Wir werden nicht künstlich Verhandlungen führen“. Das Vorgehen der Geschäftsführung sei „eine Frechheit“, sagt er.

Bis zum Jahresende gilt für die Mitarbeiter noch ein Ergänzungs- und Zukunftssicherungsvertrag. Damit verzichten die Beschäftigten auf fünf Prozent des Entgelts sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Zur nächsten Beiratssitzung am 11. Juni ist auch Robert Blumberg geladen, er ist Leiter des operativen Geschäfts von Valmet Automotive. Er hat bereits zugesagt. Dort soll dann auch ein Konzept vorgestellt werden, wie es weitergeht, so eine der Forderungen des Betriebsrats. Am heutigen Dienstag ist zudem ein offener Brief des Betriebsrats und der Gewerkschaft IG-Metall an die Konzernspitze rausgegangen. Im Januar hatten sich die Eigentumsanteile an der Valmet GmbH verändert, da der Haupteigner Metso Corporation Anteile abgegeben hatte. Dadurch sei die wirtschaftliche Basis ins Wanken gekommen, sagt Kustudic.

Für Fariborz Arabi und viele andere der Beschäftigten wird die Zeit knapp. „Der Arbeitsmarkt gibt nicht mehr so viel her – gerade in meinem Alter“, sagt Arabi, der verheiratet ist und zwei Kinder hat.

Alles zum Thema Karmann finden Sie hier.

Mehr zur Wirtschaft aus der Region finden Sie hier:


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN