167 Entlassungen angekündigt Dissen: Aus für die halbe Schulte-Belegschaft?

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Die Fleischbranche ist in der Krise. Nun will Schulte in Dissen Mitarbeiter entlassen. Foto: Achim KöppDie Fleischbranche ist in der Krise. Nun will Schulte in Dissen Mitarbeiter entlassen. Foto: Achim Köpp

Dissen. Die Hiobsbotschaft platzte in die Wochenendstimmung: Am Freitagnachmittag informierte der Betriebsrat der Fleisch- und Wurstwarenfirma Schulte in Dissen die Mitarbeiter darüber, dass mehr als die Hälfte der 300-köpfigen Belegschaft entlassen werden soll. Schulte gehört seit zwölf Jahren zur Zur-Mühlen-Gruppe von Clemens Tönnies, Deutschlands größtem Fleischverarbeiter. Die Tönnies-Gruppe will sich noch nicht zu geplanten Umstrukturierungen äußern.

Die Kantine des Unternehmens im Osnabrücker Südkreis war voll, als der Betriebsrat bekannt gab, dass die Stellen von 167 Mitarbeitern, 130 eigenen und 37 Leiharbeitern, auf der Kippe stehen. Grund für die geplanten Entlassungen, berichten Mitarbeiter aus der Versammlung, sei eine mögliche Umverlagerung der Produktion.

Bernhard Hemsing, der die Betriebsversammlung für die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten begleitet hat und das Unternehmen lange kennt, bestätigt das. „Die Produktion wird zwischen den Werken der Gruppe hin- und hergeschoben.“ Offenbar sind Fabriken wie die gerade für 32 Millionen Euro ausgebaute in Delmenhorst nicht ausgelastet. Die Produktpalette in Dissen solle demnach verkleinert werden. Dafür werden weniger Mitarbeiter gebraucht.

Im Vorfeld der Mitarbeiterinformation hätten Geschäftsleitung, Betriebsrat und Gewerkschaft zahlreiche Gespräche geführt. „Da war aber von dieser Größenordnung an Entlassungen noch nicht die Rede“, so Hemsing.

Ein erster Termin für die Information der Mitarbeiter am Freitagmorgen sei auf Wunsch der Geschäftsführung verschoben worden. Da sich jedoch nach Angaben von Hemsing im Laufe des Vormittags keine vernünftige Lösung abzeichnete, setzte der Betriebsrat den Termin für 14 Uhr an. Auf Überraschung folgte Empörung, als die Mitarbeiter bemerkten, dass er ohne die Geschäftsleitung stattfand.

Über den zeitlichen Ablauf der Kündigungen sei noch nicht gesprochen worden, berichtet Hemsing. Auch welche Betriebssparten von den Kündigungen betroffen sein sollen, haben die Angestellten noch nicht erfahren. Sie reagierten geschockt auf die Nachricht.

Die Geschäftsführung von Schulte und der Zur-Mühlen-Gruppe war am Freitagnachmittag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Am Abend sagte Tönnies-Sprecher Markus Eicher auf Anfrage der Neuen OZ: „Es gibt die Notwendigkeit zu Umstrukturierungen in Dissen. Dazu haben wir in dieser Woche Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen.“ Die Zahl der geplanten Entlassungen wollte er nicht bestätigen: „Dazu äußere ich mich nicht. Wir sind ja erst ganz am Anfang eines Prozesses.“

Auch der Betriebsrat wollte sich nicht äußern. Er hofft auf weitere Gespräche mit der Geschäftsführung und eine einvernehmliche Lösung.


Schulte ist ein Traditionsunternehmen: August Schulte betrieb schon Ende des 19. Jahrhunderts eine Schlachterei in Dissen. Gemeinsam mit seinen Brüdern gründete er 1893 die Firma Schulte und baute einen Fleischwarenversand auf. In den 50-er Jahren war der Betrieb mit Chef Willy Schulte der größte deutsche Hersteller von Sülzen. Die Firma expandierte, eine zweite Produktionsstätte und ein Verwaltungsgebäude wurden errichtet. 1991 kaufte Schulte die Anhalter Fleischwaren in Zerbst zu. Zehn Jahre später geriet die Firma aufgrund der BSE-Krise ins Schlingern. 250 Beschäftigte in Dissen und Zerbst verloren ihren Job. Kurz darauf folgte die Insolvenz. In die Bresche sprang die Zur-Mühlen-Gruppe, zu der auch Böklunder und Redlefsen gehören. Heute ist Schulte vor allem als Salami-Hersteller bekannt.

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