Fünf Fakten zum Mitreden Lufthansa-Streik: Sind 255000 Euro für einen Piloten zu wenig?

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Osnabrück. Piloten haben einen verantwortungsvollen Job, aber ist ein Gehalt von bis 255000 Euro brutto im Jahr zu gering? Bei Lufthansa hat heute einer der größten Streiks ihrer Geschichte begonnen. Hunderttausende Fluggäste sind betroffen. Sind die Forderungen der Pilotenvereinigung Cockpit gerecht; der Arbeitskampf verhältnismäßig? Fünf Fakten zum Mitreden:

Fakt 1: Es sind beeindruckende Zahlen: Als Reaktion auf die Arbeitskampfdrohung der Pilotenvereinigung hat der deutsche Luftfahrtkonzern 4000 Flüge gestrichen. Betroffen sind rund 425000 Passagiere. Drei Tage lang wird kaum eine Lufthansa-Maschine abheben. Lufthansa, sagen Spötter, ist Bodenhansa .Das Unternehmen selbst spricht von einem hohen zweistelligen Millionenverlust.

Fakt 2: Was fordert die Pilotenvereinigung für die 5400 Kapitäne und Co-Piloten der Lufthansa, von Lufthansa Cargo und Germanwings? Zum einen verlangt die Gewerkschaft einen Gehaltsaufschlag von knapp zehn Prozent. Das ist im Vergleich zu anderen Tarifverhandlungen nicht wenig: Die IG Metall fordert gerade in Bayern eine Lohnerhöhung von 4,5 Prozent. Ingesamt geht Cockpit von einem Streitwert von rund einer Milliarde Euro aus. So groß sollen die Rückstellungen für die Übergangsrenten sein, die das Lufthansa-Management auflösen wolle. Für deren Erhalt will Cockpit kämpfen.

Fakt 3: Lufthansa-Piloten gehören zu den bestbezahlten Angestellten der Republik. Und auch im weltweiten Branchenvergleich stehen sie gut da. Junge Flugoffiziere steigen nach der zweijährigen, zum guten Teil selbstbezahlten Flugschule mit einem jährlichen Grundgehalt von 55 500 Euro ein – was mit Zulagen ein Anfangsgehalt von rund 73000 Euro ergibt. Nahezu jedes Jahr folgt die nächste Gehaltsstufe. Nach derzeit 23 Schritten ist die oberste Kapitänsstufe mit einem Grundgehalt von 193000 Euro erreicht, inklusive Zulagen können das dann mehr als 255000 Euro brutto im Jahr werden.

In der aufgekündigten Übergangsversorgung erhält ein Ex-Kapitän bis zur gesetzlichen Rente in der Regel bislang 124000 Euro. Als Rentner sind dann 54000 Euro Betriebsrente und rund 23000 Euro gesetzliche Rente drin. Deutlich weniger verdienen die Flugzeugführer in den USA, bei Low-Cost-Carriern oder zwischengeschalteten Dienstleistern. Auch bei Air Berlin verdienen Piloten deutlich weniger. Ebenso bei der Luftwaffe der Bundeswehr. Auch bei Ryanair erhalten die Piloten weit weniger Geld als die Kollegen von der Lufthansa. Übrigens: Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums beträgt der durchschnittliche Brutto-Jahresarbeitslohn je Arbeitnehmer rund 30000 Euro.

Live: Wie wirkt sich der Pilotenstreik bei Lufthansa aus?

Fakt 4: Deutschlands größte Fluggesellschaft zeigt sich gesprächs- und kompromissbereit: Lufthansa-Personalchefin Bettina Volkens bezeichnete es als schwer nachvollziehbar, dass Cockpit beim gegenwärtigen Verhandlungsstand zu einem dreitägigen Vollstreik aufrufe. „Wir haben sowohl für eine verbesserte Vergütung als auch für eine künftige Regelung zum vorzeitigen Ausscheiden aus dem Flugdienst gute Angebote gemacht.“

Fakt 5: Die Forderungen von Cockpit könnten den Eindruck erwecken, der deutschen Flugbranche ginge es glänzend. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Air Berlin kämpft ums Überleben. Im Vergleich dazu steht Lufthansa besser da, doch der scheidende Konzern-Chef Christoph Franz warnte Ende Januar am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos vor weiteren Lasten für die europäische Luftfahrt. „Wir können uns im internationalen Wettbewerb keinen regulatorischen Luxus leisten.“ Andernfalls drohe eine Existenzkrise für die gesamte Luftfahrtbranche in Europa. „Wir haben mit Auflagen zu kämpfen, die unsere Wettbewerber nicht haben.“

(mit dpa)


Der Flughafen Münster/Osnabrück teilte am Mittwoch mit, dass die Lufthansa ihr Flugangebot stark reduziert. Von den Streichungen betroffen sind die Frankfurt-Verbindungen LH 062, LH 065, LH 066 und LH 069. Die Verbindung FMO/München ist vom Streik nicht betroffen.

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