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„Auf Kosten der Tiere“ Fleisch: Kritik an Preissenkungen bei Aldi und Co

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Preise werden gesenkt: Aldi, Lidl und Co wollen Fleisch künftig günstiger anbieten. Foto: dpaPreise werden gesenkt: Aldi, Lidl und Co wollen Fleisch künftig günstiger anbieten. Foto: dpa

Osnabrück. Preiskampf an der Fleischtheke: Die Ankündigung von Aldi und weiteren Discountern, die Preise für tierische Produkte wie Butter oder Fleisch dauerhaft zu senken, hat für heftige Kritik gesorgt. Neben Tierschützern werfen auch die Erzeuger den Lebensmittelhändlern Preisdumping auf Kosten von Tieren und Erzeugern vor.

Aldi war vorgeprescht und hatte Nachlässe auf Rind- und Geflügelfleisch von rund sieben Prozent angekündigt. Hauptkonkurrent Lidl hatte den Schritt zwar kritisiert, aber dennoch nachgezogen. „Wir wollen vermeiden, dass unseren preissensiblen Kunden ein Einkaufsnachteil entsteht“, teilte Deutschlands Nummer zwei unter den Discountern mit.

Die Kritik an den Preissenkungen fällt heftig aus: „Wer Preise dauerhaft senkt, der senkt auch das Tierschutzniveau in den Ställen“, teilte etwa Thomas Schröder mit. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes appelliert in dem Schreiben an die Verbraucher, den Läden fernzubleiben, „wo mit Billigfleischpreisen um ihre Gunst geworben wird.“ Der Verdrängungswettbewerb im deutschen Einzelhandel werde „auf dem Rücken der Tiere ausgetragen“.

Auch Ralf Meister, Bischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Niedersachsen, empfiehlt den Verbrauchern, „dieser Entwicklung die rote Karte zu zeigen und damit zu demonstrieren, dass sie diesen Irrweg nicht mehr mitmachen“. Auch Meister teilt die Einschätzung, dass der Preiskampf auf dem Rücken der Landwirte und Tiere ausgetragen werde.

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV) moniert in einer Mitteilung : Die Discounter hätten immer noch nicht verstanden, „worum es bei nachhaltiger Lebensmittelerzeugung geht. […] Eine Billigpreis-Taktik steht in eklatantem Widerspruch zu den erklärten Zielen von Landwirtschaft und Lebensmittelhandel, die Tierhaltung in Deutschland weiterzuentwickeln“.

Erst kürzlich hatten Handel und Erzeuger die Verhandlungen über eine gemeinsame Tierwohl-Initiative abgeschlossen. Die sieht vor: Bessere Haltungsbedingungen für Schwein, Rind und Geflügel. Die Mehrkosten sollte eigentlich der Handel durch einen Fonds tragen.

Nun wundern sich Landwirte und Lebensmittelindustrie über die plötzliche Ankündigung der Preissenkungen. „Das derzeitige Verhalten der Discounter hilft dabei nicht weiter, sondern wirkt als kontraproduktives Signal“, teilt Rukwied mit.

Damit stimmt Friedrich-Otto Ripke vom Branchenverband Niedersächsische Geflügelwirtschaft (NGW) überein. Im Gespräch mit unserer Zeitung betont er: „Tierwohlpreise sind nicht Billigpreise.“ Politik, Erzeuger und Wissenschaft seien in Sachen Tierwohl mittlerweile auf dem richtigen Weg. „Nur die Discounter nicht“, so der NGW-Präsident.


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