Pläne der chinesischen Investoren ZF Damme wird nach Übernahme eigenständig

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Besiegeln den Verkauf des Geschäftsfelds Gummi-Kunststoff: Links die chinesischen Investoren, rechts Vertreter des ZF-Konzerns Jun Yang, Rongjun Ding, Jianguo Fu, Stefan Sommer, Uwe Coßmann und Torsten Bremer. Foto: Hermann PentermannBesiegeln den Verkauf des Geschäftsfelds Gummi-Kunststoff: Links die chinesischen Investoren, rechts Vertreter des ZF-Konzerns Jun Yang, Rongjun Ding, Jianguo Fu, Stefan Sommer, Uwe Coßmann und Torsten Bremer. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Für die Mitarbeiter soll sich bis auf den Firmennamen nichts ändern: Nach dem Verkauf der Sparte Gummi-Kunststoff des Autozulieferers ZF an den chinesischen Investor TMT laufe das Geschäft wie gewohnt weiter. Und die Zentrale in Damme bleibe Hauptsitz, bekräftigten beide Seiten am Mittwochabend. Nur ein Name für die neue Gesellschaft sei noch nicht gefunden.

Wie der Verkauf von ZF an die chinesische TMT, Times New Material Technology, organisatorisch ablaufen wird, darüber haben hochrangige Vertreter beider Unternehmen am Mittwoch in Osnabrück gesprochen.

So wird aller Voraussicht nach Torsten Bremer, heute Leiter des Geschäftsfeld Gummi-Kunststoff bei ZF, die neue Gesellschaft leiten. Und zwar weitestgehend autark von den chinesischen Investoren. „Der ganz große Teil des Managements und Mitarbeiter – ich hoffe alle – wird mitgehen“, sagt er. Damme werde weltweiter Stammsitz des künftig eigenständigen Unternehmens. Nur wenige Chinesen vertreten dann die Interessen von TMT in Damme. „Wir werden die Konzepte des Managements sehr schätzen“, sagt TMT-Geschäftsführer Jun Yang.

Mitte Dezember hatten beide Seiten den Kaufvertrag unterschrieben. Bis zum Abschluss Ende Juni sollen nun die Formalitäten erledigt sein – Organisatorisches und Rechtliches, wie die Zustimmung der chinesischen Kartellbehörden. Die zum Verkauf stehende Sparte zählt weltweit 3338 Mitarbeiter, der Umsatz lag 2012 bei 718 Millionen Euro. Für 2013 wird mit einem Plus von fünf Prozent gerechnet. Der Umsatz von TMT lag zuletzt bei 465 Millionen Euro – dahinter steht jedoch der milliardenschwere und überwiegend in Staatshand befindliche Bahnkonzern China South Locomotive & Rolling Stock Corporation Ltd. (CSR).

Hauptkunde für die Produkte, die hauptsächlich in Achssystemen zum Einsatz kommen, bleibe ZF, erklärt deren Vorstandschef Stefan Sommer in Osnabrück. „Wir bleiben dem Unternehmen partnerschaftlich verbunden.“ Im Bereich der Technologie wolle man sich gegenseitig unterstützen und ein „enges Verhältnis“ pflegen. Vertreter von Gewerkschaft und Betriebsrat hatten im Vorfeld umfangreiche Garantien ausgehandelt. Dazu zählen eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2018, Tariftreue und Investitionen in deutsche Standorte.

Wachsen soll das neue Unternehmen unterdessen in Schwellenländern. Außerhalb Europas sei die Marktdurchdringung der ZF-Sparte bislang verschwindend gering. Mit den chinesischen Investoren soll die Expansion gelingen. Durch die kostengünstige Produktion in diesen Ländern werde der Marktzugang ermöglicht. Im Blick steht Asien, insbesondere China.

Das schwäche die Position der deutschen Standorte keinesfalls, versichert TMT-Chef Yang. „Durch bessere Erlöse in Schwellenländern können wir die Entwicklung in Deutschland weiter stabilisieren.“ Einen befürchteten Ausverkauf der deutschen Standorte in Damme, Simmern und Bonn werde es nicht geben.

Im Gegenteil: Das neue Unternehmen werde zum Start weitere Mitarbeiter in Damme einstellen müssen. Dabei geht es um Verwaltungsaufgaben, die bislang zentral durch den Friedrichshafener ZF-Konzern gesteuert worden sind.

Hinter dem Investor TMT steht der Konzern CSR. Das Unternehmen mit einem Börsenwert von knapp acht Milliarden Euro geht in jüngster Zeit auf globale Einkaufstour. „Unser Kurs ist Wachstum“, sagt CSR-Manager Jianguo Fu. Eine australische Tochter des Verkehrstechnik-Konzerns Vossloh haben sich die Chinesen bereits einverleibt, ebenso eine britische Firma aus der Halbleiter-Branche. Kürzlich folgte der mehrheitliche Einstieg bei dem bayrischen Bohrtechnik-Spezialisten E+M. „Es ist kein Ziel, Technologie zu transferieren“, sagt CSR-Vertreter Rongjun Ding. „Wir wollen das Unternehmen stärker machen.“

Wenn die Übernahme der ZF-Sparte Gummi-Kunststoff gelingt und das Geschäft gut läuft – so lautet die am Mittwoch vorgetragene Vision der chinesischen Manager – könne das bisherige Automobil-Geschäft von TMT an die neue Gesellschaft mit Hauptsitz in Damme angegliedert werden. Eine deutsche Marke zähle auf dem Weltmarkt mehr, lassen sie durchblicken.

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